Fairtrade-Towns bieten großes Potenzial, die faire öffentliche Beschaffung von Bekleidung und Textilien voranzubringen. Weil fairer Kaffee und ein weiteres faires Produkt in der Stadtverwaltung ausgeschenkt werden, ist das Thema Fairer Handel in der Stadtverwaltung präsent. Weil eine Steuerungsgruppe etabliert ist, sind Zivilgesellschaft, Einzelhandel, Stadtpolitik und Stadtverwaltung vor Ort rund um den Fairen Handel bereits vernetzt. Auf Grundlage dieser existierenden Strukturen bot FEMNET 2018 erstmals Strategieworkshops zum Thema der fairen öffentlichen Beschaffung für Fairtrade-Town-Steuerungsgruppen an
Der Ruf „Nie wieder Rana Plaza!“ hallt noch wider. Dennoch soll mit dem gegenwärtigen Beschluss des obersten Gerichtshofs von Bangladesch die Weiterarbeit des ACCORD zum 30. November 2018 beendet werden. „Der ACCORD ist ein glaubwürdiges und wirkungsvolles Programm, das für rund 1600 sichere Exportfabriken gesorgt hat. Aber die Situation in vielen Fabriken ist noch nicht sicher, das sehen auch die europäischen Einkäufer so, sagt Gisela Burckhardt, Vorstandsvorsitzende von FEMNET und Mitglied der Kampagne für Saubere Kleidung.
Pressekonferenz und Podiumsdiskussion der Zivilgesellschaft im Textilbündnis: Es wird Zeit! Schluss mit den leeren Versprechen.
Berlin. Ein zentrales Thema ist der Lohn zum Leben. Gewerkschafter*innen in Bangladesch sind im Hungerstreik aufgrund unzureichender Mindestlöhne. In Kambodscha und Indonesien, aber auch in der Türkei kommt es zu Streiks und Protesten, da Löhne nicht ausgezahlt werden. In der Folge werden Gewerkschafter*innen unter Druck gesetzt oder entlassen.
Das Bündnis für nachhaltige Textilen will dies ändern und hat sich zum Ziel gesetzt, soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der gesamten Textil-Lieferkette zu erreichen.
Alle Unternehmen des Textilbündnisses sollen ab 2019 Maßnahmen zur Zahlung existenzsichernder Löhne in ihren Zulieferbetrieben als verbindliches Bündnisziel verankern. Bündnisinitiativen u.a. in Kambodscha sind in Vorbereitung. Die gemeinsame Anstrengung könnte eine Hebelwirkung haben. Dazu braucht es aber eine breite Beteiligung der Branche. „Existenzsichernde Löhne sind ein Menschenrecht. Bisher haben die Bekleidungsunternehmen nur Lippenbekenntnisse abgegeben. Es ist endlich Zeit, dass Versprechen Realität werden“, sagt Tim Zahn, Koordinator der Zivilgesellschaft im Textilbündnis.
Geschlechtsspezifische Gewalt an Frauen ist eine der am weitesten verbreitete Menschenrechtsverletzung der Welt. Schätzungen zu Folge haben mehr als 30% aller Frauen diese bereits erlebt. Zwei Aktivistinnen aus Indien berichten über Ansätze, wie sich Frauen in der Bekleidungsindustrie wehren können und wie wir sie dabei unterstützen können.
FEMNET veranstaltet im November 2018 eine Rundreise mit zwei Aktivistinnen aus Bangladesh und Myanmar durch ganz Deutschland. Die Frauen berichten davon, wie Näherinnen in der Bekleidungsindustrie für verbesserte Arbeitsbedingungen kämpfen und erklären, wie Verbraucherinnen und Verbraucher darauf Einfluss nehmen können.
Nach langem Ringen um eine Erhöhung des katastrophal niedrigen Mindestlohns in der bangladeschischen Bekleidungsindustrie, hat die zuständige Kommission im September nun den zukünftig geltenden Mindestlohn verkündet: 8.000 Taka (etwa 82 Euro) – die Hälfte dessen, was die Gewerkschaften vor Ort forderten! Der Gesamtbetrag liegt nicht nur weit unter einer glaubwürdigen existenzsichernden Lohnschätzung, sondern kann de facto kaum als tatsächliche Erhöhung betrachtet werden, sondern eher als Ausgleich der Inflation in den vergangenen fünf Jahren. Als Reaktion auf diesen viel zu niedrig angesetzten Mindestlohn, treten Näher*innen in Bangladesch nun in einen Hungerstreik für gerechtere Löhne, wie FEMNETs Partnerorganisation, die National Garment Workers Federation (NGWF), nun verkündete.
Mitglieder des Textilbündnisses sowie Unternehmen die den Bangladesh Accord unterzeichnet haben, wenden sich in einem gemeinsamen Schreiben mit der Kampagne für Saubere Kleidung an die Premierministerin von Bangladesch bzgl. der Verlängerung des Accord um mindestens 6 Monate.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung plant die Einführung eines staatlichen Metasiegels für die textile Lieferkette ("Grüner Knopf") und lud deshalb im September 2018 zu einem Runden Tisch zur Diskussion des Umsetzungskonzepts dieses Metasiegels ein. Die Kampagne für Saubere Kleidung nahm an dieser Diskussion teil und teilt nun mit dieser Stellungnahme ihre dort bereits eingebrachte Sichtweise auch schriftlich mit:
Der Grüne Knopf (GK) soll ein staatliches Metasiegel sein, das sich zunächst nur auf die Stufe der Konfektion bezieht. Wenn sie den GK verwenden wollen, müssen Unternehmen nachweisen, dass
sie ihren unternehmerischen Sorgfaltspflichten nachkommen, wobei die Anerkennung einer Roadmap im Rahmen des Textilbündnisses als Nachweis akzeptiert werden soll.
die Produkte mit dem GK den Mindestanforderungen in den Bereichen Soziales, Umwelt und Glaubwürdigkeit für ein Produktsiegel entsprechen, das auf der Vergleichsplattform „Siegelklarheit“ mit „gut“ und „sehr gut“ bewertet wird.
Trotz Kritik an der grundsätzlichen Schwäche von Produktsiegeln begrüßt die Kampagne für Saubere Kleidung doch die Kombination von unternehmens- und produktbezogenen Kriterien bei der Vergabe des GK. Wir haben jedoch massive Anfragen an die bisher geplante Ausgestaltung dieser Kombination, die das Anspruchsniveau, die Reichweite, die Kontrolle, die Kommunizierbarket und damit insgesamt auch die Glaubwürdigkeit des geplanten Metasiegels betreffen.
Am 25.09.2018 veröffentlichte Rechercheergebnisse enthüllen, dass viele Arbeiter*innen in „Vorzeige“-Zulieferfabriken des Modekonzerns H&M unter der Armutsgrenze leben – und das, obwohl H&M ihnen für 2018 existenzsichernde Löhne versprochen hatte.
Die befragten Arbeiter*innen in Indien und der Türkei verdienten ein Drittel eines Lohns, der als existenzsichernd gilt; in Kambodscha ist es weniger als die Hälfte. Die Interviewten in der bulgarischen von H&M als „Gold“-Zulieferer ausgezeichneten Fabrik erhielten in regulärer Arbeitszeit sogar weniger als zehn Prozent eines existenzsichernden Lohns. Dies geht aus einer Befragung der Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign) in sechs Fabriken in Bulgarien, Kambodscha, Indien und der Türkei hervor.
Bonn. Heute wird der Bericht „So geht Nachhaltigkeit!“ veröffentlicht. Der Bericht dokumentiert 17 Vorzeige-Initiativen und Projekte, wie wir uns in Deutschland und in der Welt sozial gerechter und ökologisch sauber organisieren können. FEMNET stellt Initiativen der Städte Bonn, Köln und Stuttgart für einen fairen öffentlichen Einkauf von Berufsbekleidung vor.
Durch den Bericht „So geht Nachhaltigkeit! Deutschland und die globale Nachhaltigkeits-Agenda 2018“ werden die Ziele für nachhaltige Entwicklung greifbar und konkret heruntergebrochen. Die Herausgeber*innen möchten die Politik aufrütteln und zeigen, in welcher Bandbreite Nachhaltigkeit bereits praktisch umgesetzt wird.