Heute vor vier Jahren, am 25. November 2013, machte der Modekonzern H&M eine richtungsweisende Ankündigung. Bis 2018 sollen die rund 850.000 für das Unternehmen produzierenden Näher*innen einen existenzsichernden Lohn bekommen. In Bangladesch verdienen Näher*innen in Zulieferfabriken von H&M derzeit rund 87 US-Dollar pro Monat. Dieses Durchschnittseinkommen liegt knapp unter der von der Weltbank errechneten Armutsgrenze von 88 US-Dollar pro Monat.
Es sind erschreckende Zahlen: Weltweit wird jede dritte Frau laut Unifem in ihrem Leben einmal vergewaltigt, geschlagen oder auf andere Weise misshandelt. Und auch an ihrem Arbeitsplatz erfahren viele Frauen Gewalt, so auch in der weltweiten Bekleidungsindustrie. Hinter der schönen Fashion-Fassade werden Frauen ausgebeutet, diskriminiert oder sexuell bedrängt. Besonders prekär ist die Lage in den Fabriken von Billiglohnländern wie Bangladesch oder Indien, wo Frauen schon mit dem Schlimmsten rechnen müssen, wenn sie sich gewerkschaftlich organisieren.
Allein in den Spinnereien Südindiens, wo das Garn für unsere Kleidung herkommt, herrschen noch mittelalterliche Zwangssysteme: Dort werden junge Frauen im Alter von 14 bis 18 Jahren in hochmodernen Spinnereien wie Sklavinnen gehalten. Sie arbeiten oft rund um die Uhr bis an die Grenze der Erschöpfung, werden von ihren Aufsehern gedemütigt und missbraucht. Für einige von ihnen ist Selbstmord der einzige Ausweg. Das Perfide an dem System: Westliche Firmen profitieren von dieser Ausbeutung. Und auch wir Konsument*innen hier in Deutschland müssen uns fragen: Wieviel Gewalt steckt in unserer Einkaufstasche?
Cividep Befragung von Frauen. Foto: CIVIDEPWir setzen uns seit 2015 gemeinsam mit Cividep, unserer Partnerorganisation vor Ort, erfolgreich dafür ein, dass sich die Situation von Müttern und Kindern in der Branche verbessert.
Cividep hat zu verschiedenen Zeitpunkten (2008, 2012, 2015 und 2017) Studien durchgeführt, um an konkrete Daten zur Betreuung von Kleinkindern und zur Arbeitssituation der Mütter zu kommen und zu überprüfen, ob ein Fortschritt zu beobachten ist. Auf dieser Grundlage leisten wir sowohl in Indien als auch in Deutschland Bildungs- und Kampagnenarbeit.
Zivilgesellschaftlicher Protest gegen „Entfesselungspaket“ der Landesregierung NRW – 50.000 Unterschriften bei Petition und Aktion am 16.11.17 um 11.00 Uhr vor dem Landtag in Düsseldorf
#SaubereProdukteNRW
Erst Anfang April dieses Jahres trat das Tariftreue- und Vergabegesetz (TVgG) NRW in novellierter Fassung in Kraft. Jetzt will die neue Landesregierung der CDU und FDP darin enthaltene Regelungen zur Einhaltung internationaler Arbeitsrechte und Umweltstandards beim öffentlichen Einkauf wieder abschaffen. Diesen Gesetzesentwurf bringt die Landesregierung NRW im Rahmen des „Entfesselungspakets“ an diesem Donnerstag (16.11.2017) in den Landtag ein. Ein breites Bündnis zivilgesellschaftlicher Akteure protestiert mit einer öffentlichen Aktion am 16.11.2017 um 11.00 Uhr auf der Landtagswiese dagegen. In einer Petition unterstützen fast 50.000 Unterzeichner*innen den Protest.
Die Löhne in Bangladeschs Bekleidungsindustrie gehören zu den niedrigsten auf der ganzen Welt. Die Arbeitsbedingungen haben sich seit dem Einsturz des Rana Plaza Gebäudes im April 2013 mit über 1100 Toten und 2500 Verletzten nicht wesentlich verbessert. Durch das Gebäude- und Brandschutzabkommen Accord hat allerdings die Sicherheit für die Arbeiterinnen vor einem Einsturz oder vor Brand zugenommen. Doch damit sind nicht Frauendiskriminierung, massive Überstunden und Gewerkschaftsverfolgung verschwunden. Als im Dezember 2016 in der Textilregion Ashulia in Bangladesch Tausende Arbeiter*innen für einen höheren Mindestlohnstreikten, schlugen Fabrikbesitzer und Regierungunbarmherzig zurück, um die Arbeiter*innen und Gewerkschaften einzuschüchtern. 600 Arbeiter*innen und Gewerkschafter*innen wurden angeklagt, 1500 wurden einfach gefeuert, Dutzende inhaftiert.
Knapp ein Jahr nach der brutalen Niederschlagung der Proteste sind Kalpona Akter und Mim Akter auf Einladung von FEMNET e.V. und der Friedrich-Ebert-Stiftung in Deutschland, um über den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und gerechtere Bezahlung zu berichten. Im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen und Vorträgen vor Studierenden, bei Fachtagungen, Diskussionsrunden und Pressekonferenzen haben die beiden die internationale Solidarität als wesentliche Unterstützung für ihren Kampf hervorgehoben.
Ein neuer Skandal bei H&M kursiert derzeit durch die Medien: Das schwedische Modeunternehmen soll jedes Jahr tonnenweise neue Kleidung verbrennen, haben Journalisten aus Dänemark aufgedeckt. "Die Arbeiterinnen schuften für einen Hungerlohn, 2000 Liter Wasser werden für die Herstellung eines einzigen T-Shirts verbraucht, das dann um die ganze Welt reist, um in Europa verbrannt zu werden?", sagt die Leiterin des Vereins Bangladesh Centre for Worker Solidarity Kalpona Akter aus Bangladesch und ist empört: „Es ist furchtbar, neue Kleidung zu verbrennen, die die Näherinnen in Bangladesch unter Mühen und schlimmen Arbeitsbedingungen hergestellt haben", erklärt die Aktivistin, die derzeit mit der Gewerkschafterin Mim Akter auf Einladung der Frauenrechtsorganisation FEMNET auf Deutschlandtour unterwegs ist, um genau über diese Arbeitsbedingungen zu sprechen.
Sie war gerade einmal 14 Jahre alt. Und sie starb an Überarbeitung. Im indischen Chennai wollte das Mädchen N. Kaliyarasi, das in einer Spinnerei für große internationale Marken arbeitete, unbedingt den Bonus von rund 40 Dollar erreichen. Denn der magere Lohn von 3,50 Dollar reicht nicht zum Leben. Aber sie überforderte sich und starb. Hier wurde eindeutig die betriebliche Sorgfaltspflicht verletzt. In der Spinnerei gab es noch nicht einmal eine Krankenschwester, obwohl diese für Betriebe mit 200 Menschen vorgeschrieben ist.
Für das Jahr 2017 mussten sich die Mitglieder im Textilbündnis erstmals in sogenannten Roadmaps Ziele für die Umsetzung von Umwelt- und Sozialstandards in ihren Lieferketten setzen. Die Veröffentlichung dieser Roadmaps ist in diesem Jahr noch freiwillig, doch ab 2018 verpflichtend. Der erste Roadmap-Prozess war in diesem Jahr also noch im „Probelauf“ und somit eine Herausforderung. Entgegen der Erwartungen der Zivilgesellschaft haben nur wenige Mitgliedsunternehmen ihre Roadmap im Jahr 2017 veröffentlicht. Insgesamt waren dies 19 von 87 berichtspflichtigen Mitgliedsunternehmen, also rund 22 Prozent.
Umso mehr begrüßt es die Zivilgesellschaft im Textilbündnis, dass insgesamt 40 Mitglieder (darunter die Bundesregierung, zwei Gewerkschaften, 12 NGOs, 4 Standardorganisationen, 2 Verbände sowie 19 Unternehmen) ihre Roadmap bereits in diesem Jahr veröffentlicht haben.
Für das Jahr 2017 mussten sich die Mitglieder im Textilbündnis erstmals in sogenannten Roadmaps Ziele für die Umsetzung von Umwelt- und Sozialstandards in ihren Lieferketten setzen. Die Veröffentlichung dieser Roadmaps ist in diesem Jahr noch freiwillig, doch ab 2018 verpflichtend. Der erste Roadmap-Prozess war in diesem Jahr also noch im „Probelauf“ und somit eine Herausforderung. Entgegen der Erwartungen der Zivilgesellschaft haben nur wenige Mitgliedsunternehmen ihre Roadmap im Jahr 2017 veröffentlicht. Insgesamt waren dies 19 von 87 berichtspflichtigen Mitgliedsunternehmen, also rund 22 Prozent.
Umso mehr begrüßt es die Zivilgesellschaft im Textilbündnis, dass insgesamt 40 Mitglieder (darunter die Bundesregierung, zwei Gewerkschaften, 12 NGOs, 4 Standardorganisationen, 2 Verbände sowie 19 Unternehmen) ihre Roadmap bereits in diesem Jahr veröffentlicht haben.
Bonn. Zwei Jahre vor Eröffnung des Maximiliancenters in Bonn hat sich der Deutschland‐Chef von Primark Wolfgang Krogmann der kritischen Öffentlichkeit im Rahmen einer VHS-Veranstaltung gestellt. Gisela Burckhardt, Geschäftsführender Vorstand von FEMNET, diskutierte mit ihm und bemängelte, dass sich nach dem Gebäudeeinsturz von Rana Plaza in Bangladesch fast nichts geändert hätte. „Die überwiegend weiblichen Beschäftigten müssen nach wie vor Überstunden von bis zu 14 Stunden leisten, sie werden beschimpft, gedemütigt und daran gehindert, sich Gewerkschaften anzuschließen. Die Löhne wurden seit drei Jahren nicht erhöht, der Mindestlohn liegt bei 60 Euro im Monat. Primark ist nicht schlechter als andere Marken, aber die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in vielen asiatischen Ländern kann man ändern“, so Burckhardt auf dem Podium. Krogmann verwies auf umfangreiche Auditierungen (Kontrollen) in den Produktionsstätten. Burckhardt betonte jedoch, dass Audits allein keine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Millionen von Textilarbeiterinnen brächten, da dabei nicht die wahren Arbeitsbedingungen in den Fabriken zutage kämen.