INDIEN

1,3 Milliarden Einwohner_innen
12,3 Millionen Beschäftigte in der Textilindustrie

Hintergrund: Die indische Bekleidungsindustrie

Indiens Textilsektor ist einer der größten Produzenten von Kleidung für westliche Länder.  Die Stadt Bangalore steht bei der Produktion von Kleidung in Indien an zweiter Stelle - andere wichtige Städte sind Delhi, Mumbai, Tirupur und Chennai - und die Fabrikarbeiterinnen sind bekannt für ihre hochwertige Arbeit.

Bangalores Bekleidungsindustrie entstand vor 40 Jahren. Nach der Landwirtschaft bietet diese Industrie am meisten Arbeitsplätze und bringt die höchsten Deviseneinnahmen für die Region. Nur 5% der indischen Textiliarbeiter*innen gehören einer Gewerkschaft an, viele fühlen sich von ihrem Management eingeschüchtern und haben Angst entlassen zu werden, falls sie sich in einer Gewerkschaft organisieren. Charakteristisch für die Fabriken in Bangalore ist:

  • Alle Prozesse (vom Schneiden des Stoffes bis zum Verpacken der fertigen Kleidung) finden unter einem Dach statt.
  • Im Durchschnitt arbeiten 1000 Menschen in einer Fabrik, davon 80% Frauen.
  • Es gibt nur wenige Kurzzeitbeschäftigte.

Indien in Zahlen

  • Bevölkerung 1,3 Milliarden
  • Beschäftigte in der Bekleidungsindustrie (2013): ca. 12 Millionen, davon 80 % Frauen
  • Anteil der weltweiten Gewebe-, Faser- und Garnproduktion: ca. 13%
  • ca. 4500 Fabriken
  • gesetzlicher Mindestlohn (2019): ca. 131 Euro im Monat
  • Lohn zum Leben laut Asia Floor Wage (2017): ca. 300 Euro im Monat)

Als sich die Produktion von Kleidung mehr und mehr nach Asien verlagerte, verabschiedeten die Industrieländer das "Multi Fiber Arrangement" (MFA), das den Export von Kleidung in westliche Länder einschränkte und so die europäische Bekleidungsproduktion gegen die Billigkonkurrenz aus Asien schützte. Das MFA endete 2004 und Exporte aus Bangalore nach Europa und USA nahmen daraufhin stark zu. Dies führte zu einem Boom der Bekleidungsindustrie und viele Frauen vom Land kamen auf der Suche nach Arbeit in die Textilfabriken von Bangalore.

Diese Arbeiterinnen - 80% der Beschäftigten sind Frauen - gehörten zur ersten Generation der Fabrikarbeiterinnen und ihnen fehlte ein Bewusstsein dafür, sich zu organisieren oder mit ihren Arbeitgebern zu verhandeln. Außerdem kannten sie ihre Rechte nicht. Deshalb fiel es ihnen schwer, vereint für ihre gemeinsame Sache zu kämpfen - einen fairen Lohn und menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Hier setzen unsere Partnerorganisationen an, um Verbesserungen für die Arbeiterinnen zu erwirken.

Zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt am Arbeitsplatz führten unsere Partnerorganisationen vor Ort Interviews mit Textilarbeiterinnen. September 2018. Bangalore. Foto: © CividepZum Thema geschlechtsspezifische Gewalt am Arbeitsplatz führten unsere Partnerorganisationen vor Ort Interviews mit Textilarbeiterinnen.
September 2018. Bangalore. Foto: © Cividep

Der Wettbewerbs- und Preisdruck unter Firmen wirkt sich stark auf die Beschäftigten aus. Das Arbeitspensum ist durch den Termindruck und die ambitionierten Produktionsziele sehr hoch, Überstunden und Krankheitstage werden selten bezahlt und Belästigungen am Arbeitsplatz kommen häufig vor. Viele Arbeiter_innen bekommen noch nicht einmal den von der Regierung festgesetzten Mindestlohn ausgezahlt. Die meisten Arbeitgeber verbieten noch immer Gewerkschaften und jede Form der Organisation in der Fabrik, sodass die Arbeiter_innen kaum Möglichkeiten haben, sich gegen Arbeitsrechtverletzungen zur Wehr zu setzen. Gerade die Belange von Frauen - Diskriminierung, Belästigung, Mutterschutz und eine angemessene Kinderbetreuung durch den Arbeitgeber - werden dadurch oftmals systematsisch ignoriert.

 

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