Pressemeldungen - Unternehmensverantwortung & Lieferkettengesetz Unternehmensverantwortung

Eine Vertreterin und ein Vertreter der beteiligten Organisationen protestieren vor dem Versammlungsort der Hauptversammlung in Stuugart am 21.05.2026

© Kampagne für Saubere Kleidung

Kritische Fragen an Hugo Boss: Strategische Neuausrichtung darf nicht auf dem Rücken der Arbeiter*innen erfolgen

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Gemeinsame Pressemitteilung von FEMNET, der Kampagne für Saubere Kleidung und dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre

Bonn, Köln, Berlin, 20. Mai 2026

Angesichts schwächerer Konsumausgaben und wirtschaftlicher Unsicherheiten hat Hugo Boss seine Strategie angepasst. CEO Daniel Grieder betont den Fokus auf Markenstärkung im Jahr 2026. Nicht gestärkt werden hingegen die Arbeiter*innen in der Lieferkette. Hugo Boss verlässt das wichtige Gebäudeschutzabkommen in Pakistan, in der eigenen Fabrik in der Türkei werden Gewerkschafter*innen entlassen. FEMNET, der Dachverband der Kritischen Aktionär*innen und die Kampagne für Saubere Kleidung erwarten konkrete Antworten auf der morgigen Aktionärsversammlung.

Während über 130 Marken ihre Verpflichtung zum Pakistan Accord verlängern, hat Hugo Boss das Abkommen verlassen. Der Accord gilt mit seinen unabhängigen Sicherheitsinspektionen branchenweit als erfolgreichster Mechanismus zur Verbesserung der Fabriksicherheit. In mehreren pakistanischen Zulieferbetrieben von Hugo Boss wurden in den letzten Jahren schwerwiegende und potenziell lebensbedrohliche Sicherheitsmängel, wie verschließbare Tore und blockierte Fluchtwege, festgestellt. Obwohl Hugo Boss das Länderprogramm in Bangladesch weiterhin unterstützt, möchte die Marke mehrere zehntausend Arbeiter*innen in pakistanischen Zulieferbetrieben nicht mehr durch das Abkommen schützen. Der Rückzug aus dem verbindlichen und transparenten Sicherheitsmechanismus bedeutet einen schweren Rückschritt für die Sicherheit der pakistanischen Arbeiter*innen.

Auch in der Hugo Boss eigenen Fabrik in Izmir, Türkei, steht Hugo Boss wegen Arbeitsrechtsverletzungen in der Kritik. Innerhalb des letzten Jahrzehnts wurden rund 1000 Arbeiter*innen ohne Abfindung entlassen, oft unter dem Vorwand von „Leistungs- oder Disziplinarproblemen“. Die hohe Erfolgsquote bei Wiedereinstellungsklagen zeigt deutlich, dass diesen Entlassungen die rechtliche Grundlage fehlt. Um Löhne zu drücken, werden ältere Arbeiter*innen systematisch entlassen und durch neue, schlechter bezahlte Arbeiter*innen ersetzt. Unter den Entlassenen sind rund 300 Gewerkschaftsmitglieder. Die Entlassung führender Gewerkschaftsmitglieder lässt die gezielte Unterdrückung gewerkschaftlicher Aktivitäten vermuten.

FEMNETs Vorstandsvorsitzende Dr. Gisela Burckhardt sagt: „Hugo Boss’ Nachhaltigkeitsstrategie fokussiert auf Umweltaspekte und vernachlässigt soziale Aspekte in der Lieferkette. Als Zivilgesellschaft fordern wir existenzsichernde Löhne, Geschlechtergerechtigkeit, Organisationsfreiheit und die Umsetzung des Lieferkettengesetzes. Eine strategische Neuausrichtung darf in keinem Fall zulasten der Arbeiter*innen umgesetzt werden“, so Burckhardt.

Hintergrund

FEMNET ist eine gemeinnützige Frauenrechtsorganisation, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie des globalen Südens einsetzt und Mitglied der Kampagne für Saubere Kleidung ist. www.femnet.de

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre ist eine Aktionärsvereinigung, die sich für mehr Verantwortung und Transparenz von Unternehmen in Bezug auf Umweltschutz, Arbeits- und Menschenrechte, Rüstungsproduktion und die Abkehr von Profitmaximierung zu Lasten Dritter einsetzt. https://www.kritischeaktionaere.de

Die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC Deutschland) ist ein Netzwerk, das sich für die Rechte der Arbeiter*innen in den Lieferketten der internationalen Modeindustrie stark macht. https://saubere-kleidung.de

Kontakt:

Aika-Maresa Fischbeck
Vorstand FEMNET
Telefon 0228-90917309
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