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Kritische Fragen zur Aktionärsversammlung von Zalando: Fette Gewinne aber keine existenzsichernden Löhne in der Lieferkette

Gemeinsame Pressemitteilung von FEMNET , der Kampagne für Saubere Kleidung und dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre
Bonn, Köln, Berlin. Ein fetter Gewinn von 591 Millionen Euro aber: Keine Zahlung von existenzsichernden Löhnen für die Beschäftigten in der Lieferkette, keine Veröffentlichung von Auditprüfergebnissen, keine Nachhaltigkeitsanforderungen an Drittmarken. Zu diesen und weiteren Themen werden FEMNET, der Dachverband der Kritischen Aktionär*innen und die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC Deutschland) kritische Fragen auf der Hauptversammlung von Zalando am 12. Mai stellen.
Zalando unternimmt keine Schritte, die sicherstellen, dass die Arbeiter*innen bei ihren Zulieferern im globalen Süden Löhne erhalten, die zum Leben reichen. Das Unternehmen legt nicht einmal einen Aktionsplan vor, wie existenzsichernde Löhne erreicht werden sollen. Auch in Deutschland steht Zalando wegen seines Umgangs mit Beschäftigten in der Kritik. Das Unternehmen verweigert die Zahlung von Löhnen nach dem Flächentarifvertrag des Einzelhandels. In Erfurt plant Zalando die Schließung seines Logistikzentrums, wodurch rund 2000 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren würden, während in Gießen ein neues Logistikzentrum eröffnet werden soll. Zalando präsentiert sich damit als Unternehmen, dass Wachstum und Gewinne auf dem Rücken seiner Beschäftigten erzielt – sowohl hier als auch in den Produktionsländern seiner Kleidung.
Zalando‘s Tochtergesellschaft SCAYLE wurde kürzlich globale E-Commerce-Plattform für Levi’s – trotz anhaltender Kritik an Arbeitsrechtsverletzungen in der Lieferkette der Marke. Bei einem ausschließlich für Levi’s produzierenden Zulieferer in der Türkei wurden Arbeiter*innen entlassen, nachdem sie einer Gewerkschaft beitraten und bessere Arbeitsbedingungen forderten. Die Clean Clothes Campaign in Amsterdam hat zudem eine Klage gegen Levi Strauss & Co. wegen Verbrauchertäuschung eingereicht, weil das Unternehmen seine Produkte als 'verantwortungsvoll hergestellt' bewarb ohne dies ausreichend belegen zu können.
Zalando erkennt zwar in seiner Risikoanalyse die Gefahr von Kinderarbeit und Zwangsarbeit in bestimmten Ländern an, benennt aber nicht geschlechtsspezifische Gewalt am Arbeitsplatz, weil seine Risikoanalyse nicht geschlechterdifferenziert erfolgt. Es mangelt an einer Geschlechterperspektive bei den Löhnen oder auch bei den Beschwerdesystemen.
In seinem Strategiedokument für 2026 legt Zalando ehrgeizige Pläne für Kundenwachstum, Effizienz, KI und Marktdominanz dar und unterlegt diese mit Zahlen. Nachhaltigkeit, Menschenrechte und die Situation der Arbeiter*innen in der Lieferkette spielen hingegen kaum ein Rolle . Das Unternehmen erklärt selbst, „noch keine messbaren Ziele“ für menschenwürdige Arbeit festgelegt zu haben.
Hintergrund
FEMNET ist eine gemeinnützige Frauenrechtsorganisation, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie des globalen Südens einsetzt www.femnet.de
Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre ist eine Aktionärsvereinigung, die sich für mehr Verantwortung und Transparenz von Unternehmen in Bezug auf Umweltschutz, Arbeits- und Menschenrechte und die Abkehr von Profitmaximierung zu Lasten Dritter einsetzt.
Die Kampagne für Saubere Kleidung ist ein Netzwerk, das sich für die Rechte der Arbeiter*innen in den Lieferketten der internationalen Modeindustrie stark macht. https://saubere-kleidung.de
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