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Eine Frauen von hinten, die an einem Laptop arbeitet. Sie sitzt in einem Co-Working-Büro mit anderen Menschen. KI-generiertes Bild

© KI-generiert mit ChatGPT

Digitale Räume feministischer gestalten: FEMNET setzt neue Schwerpunkte

FEMNET e.V. erweitert seine inhaltliche Arbeit um den Schwerpunkt “Digitale Gewalt, Gender Bias und Data Worker“. Im Mittelpunkt stehen dabei die Auswirkungen digitaler Technologien auf Frauen* und andere marginalisierte Gruppen – sowohl im Globalen Norden als auch im Globalen Süden. Der Verein nimmt insbesondere Misogynie und geschlechtsspezifische Gewalt im digitalen Raum, geschlechterbezogene Verzerrungen in KI-Systemen sowie die Arbeitsbedingungen von Click- und Data-Worker*innen in den Blick, die entlang der digitalen Lieferketten unsichtbare, aber zentrale Arbeit leisten.

Ein Teil dieses Schwerpunkts widmet sich der Zunahme von Hassrede, Misogynie und sexualisierter Gewalt im Netz. Soziale Medien, Foren und Plattformen sind für viele Frauen*, insbesondere Women* of Color, LGBTQIA+-Personen und andere marginalisierte Gruppen, zentrale Orte politischer Meinungsbildung und Teilhabe – gleichzeitig aber auch Schauplätze massiver Anfeindungen. FEMNET analysiert diese Dynamiken aus feministischer Perspektive und macht sichtbar, wie digitale Gewalt nicht nur individuelle Rechte verletzt, sondern auch strukturell wirkt: Sie schränkt Redefreiheit, Sichtbarkeit und Handlungsfähigkeit von Frauen* ein und stabilisiert patriarchale Machtverhältnisse in digitalen Öffentlichkeiten.

Ein weiterer Fokus liegt auf geschlechterbezogenem Bias in KI-Systemen. KI wird zunehmend in Arbeitswelt, Bildung, Verwaltung, Medizin und Medien eingesetzt; zahlreiche Studien zeigen jedoch, dass bestehende Ungleichheiten in Daten und Modellen reproduziert und oft verstärkt werden. Unterrepräsentierte weibliche und marginalisierte Perspektiven, stereotype Trainingsdaten und ungleiche Datengrundlagen führen dazu, dass etwa automatisierte Bewerbungsverfahren, Übersetzungssysteme, Bildgeneratoren oder medizinische Anwendungen diskriminierende Effekte haben können. FEMNET setzt hier an, um auf die Notwendigkeit einer systematisch geschlechtergerechten Gestaltung von KI-Entwicklung und -Einsatz hinzuweisen und Frauen* als aktive Gestalterinnen dieser Technologien zu stärken.

Eng mit diesen Fragen verbunden sind die Arbeits-, Macht- und Ausbeutungsverhältnisse in der „digitalen Lieferkette“ von KI. Click- und Data-Worker*innen – häufig Frauen im Globalen Süden – sind damit beschäftigt, Bild- und Textdaten zu sichten, zu annotieren, zu moderieren und zu kontrollieren. Dabei arbeiten sie oft unter prekären Bedingungen, mit geringer Bezahlung, fehlender Regulierung und unzureichendem psychologischen oder arbeitsrechtlichen Schutz. Besonders belastend ist die tägliche Konfrontation mit sexualisierten, gewaltvollen und frauenfeindlichen Inhalten, die im Rahmen der Datenmoderation verarbeitet werden müssen. FEMNET macht diese unsichtbare Arbeit und ihre geschlechtsspezifischen Dimensionen sichtbar und verbindet sie mit entwicklungspolitischen und arbeitsrechtlichen Forderungen.

Aus einer feministischen, entwicklungspolitischen Perspektive knüpft der neue Schwerpunkt konsequent an bestehende Arbeitsfelder von FEMNET an: Die Erfahrungen aus den globalen textilen Lieferketten – zu Arbeitsrechten von Frauen*, gewerkschaftlicher Organisierung, Unternehmensverantwortung und fairer Beschaffung – werden auf die digitale Ökonomie und KI-Wertschöpfungsketten übertragen. So können Parallelen zwischen Ausbeutungsverhältnissen in der Bekleidungsindustrie und in der Datenarbeit herausgearbeitet und gemeinsame Strategien für bessere Arbeitsbedingungen, Gesundheitsschutz und Teilhabe entwickelt werden.

Insgesamt positioniert dieser Arbeitsschwerpunkt FEMNET als feministische Akteurin in der Debatte um eine gerechte digitale Transformation. Der Verein macht deutlich, dass Kämpfe um Arbeitsrechte, Geschlechtergerechtigkeit und Schutz vor Gewalt auch im digitalen Raum geführt werden müssen – und dass Frauen* im Globalen Süden wie im Globalen Norden ein Recht auf sichere, faire und emanzipatorische digitale Lebens- und Arbeitswelten haben.

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