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Garnrollen in einer indischen Spinnerei.

© FEMNET

Hugo Boss und Zalando: Kein Engagement für existenzsichernde Löhne

Gisela Burckhardt richtete für FEMNET kritische Fragen an Zalando und Hugo Boss auf deren Aktionärsversammlungen im Mai 2022. Beide Veranstaltungen fanden virtuell statt, was kritische Nachfragen verhindert. Insgesamt blieben beide Unternehmen sehr unkonkret in ihren Antworten.

Fragen an Hugo Boss bezogen sich auf neueste Recherchen von STR_F und Panorama (5. Mai 2022), die mithilfe einer Isotopen-Analyse den Fingerabdruck einer Baumwollprobe aus der Region Xinjiang in einem Hemd von Hugo Boss nachgewiesen haben. Dort unterdrückt die chinesische Regierung die Minderheit der Uiguren. Im Dezember 2021 unterzeichnete US-Präsident Biden den Uyghur Forced Labor Prevention Act, der die Einfuhr von Waren aus der Provinz Xinjiang in die USA verbietet. Ein solches Gesetz gibt es für die EU bisher nicht.

Schon vergangenes Jahr bestritt Hugo Boss auf seiner Hauptversammlung Baumwolle aus der Region Xinjiang zu beziehen. Auch dieses Jahr verneinte das Unternehmen die Frage.

Auch wird dem Unternehmen vorgeworfen, keine Schritte hin zur Zahlung von existenzsichernden Löhnen zu unternehmen. Hugo Boss kontert mit dem Hinweis auf ein Pilotprojekt, das bald in drei Ländern beginnen soll. „Zwar ist nichts gegen Pilotprojekte einzuwenden, aber sie bleiben ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn der Ansatz sich nicht in einer anderen Einkaufspolitik niederschlägt“, so Gisela Burckhardt. „Hugo Boss muss zeigen, dass es zumindest eine Strategie hat für alle seine Zulieferer, die zu höheren Löhnen in einem angemessenen Zeitraum führt. Erst recht bei den eigenen Produktionsstätten, z.B. in Izmir.“

Zalandos Antworten sind wie im letzten Jahr recht allgemein und daher wenig aufschlussreich. Zur Frage nach dem Engagement von Zalando für die Zahlung von existenzsichernden Löhnen konnte das Unternehmen nichts Konkretes vorweisen. Lohnkosten werden bei der Ermittlung von Zahlungen nicht gesondert ausgewiesen wie es z.B. die CCC oder auch das Textilbündnis empfehlen. Eine Strategie, die Schritte aufzeigen könnte, wie man zu existenzsichernden Löhnen kommen kann, fehlt ebenfalls.

FEMNET hatte schon im letzten Jahr auf die katastrophale Lage der Fabriken in Myanmar hingewiesen. Zalando hatte daraufhin erklärt, dass es keine Zulieferer mehr in Myanmar habe. Auf der Lieferantenliste von Zalando findet sich aber immer noch eine Fabrik. „Die Erklärung von Zalando, dass die Liste nicht aktualisiert worden sei, wirkt wenig glaubwürdig“, so Burckhardt.

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