Aktuelles

Das Textilbündnis: Rückblick auf das Jahr 2017 und Ausblick auf 2018

Steuerungskreis des Textilbündnisses bei der Klausurtagung  am 23.11.2017. Foto: ©  TextilbündnisSteuerungskreis des Textilbündnisses bei der Klausurtagung am 23.11.2017. Foto: © TextilbündnisDas Textilbündnis besteht nun schon seit drei Jahren, aber erst seit Juni 2015 erfolgte der breite Beitritt der Textil(handels)unternehmen. Heute sind rund 90 Unternehmen Mitglied, sie verantworten rund die Hälfte des Textilienumsatzes in Deutschland. Außerdem sind Bundesregierung unter Federführung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), rund 20 NROs, Standardorganisationen wie GOTS und Fairtrade und Gewerkschaften im Bündnis je nach Organisation unterschiedlich aktiv.

Mit dem Jahr 2017 geht eine intensive Testphase im Textilbündnis zu Ende: Alle Mitglieder mussten individuelle Aktionspläne (sog. Roadmaps) für das Jahr 2017 erstellen. Diese Aktionspläne wurden einer gründlichen Prüfung unterzogen, ob sie den selbstgesetzten Zielen des Bündnisses entsprachen und einen Fortschritt für das jeweilige Mitglied darstellten. Und schließlich verabschiedete der Steuerungskreis des Textilbündnisses Ende November verbindliche Zeit- und Mengenziele für die Jahre 2018 bis 2020, die jedes Mitglied bearbeiten muss. Es ist also viel geschehen im Textilbündnis – und dennoch stehen auch für das Jahr 2018 wichtige Weichenstellungen an.

GLU Aktivistinnen.

© Sina Marx/FEMNET

Für bessere Durchsetzung der Rechte von Frauen, Müttern und Kindern: Projektbesuch in Indien

Im November 2017 besuchte Sina Marx, bei FEMNET verantwortlich für den Solidaritätsfonds, die FEMNET-Partnerorganisationen Cividep und Munnade in Südindien. Mit Cividep zusammen schaute sie sich Kinderbetreuung in Bekleidungsfabriken in Bangalore an. Im Rahmen eines gemeinsamen Projektes setzen sich FEMNET und Cividep seit 2015 für eine Verbesserung der Kinderbetreuung in den Zuliefererfabriken großer Markenunternehmen ein und machen sich mit der Kampagne #WerPasstAuf? auch in Deutschland dafür stark.

Zusammen mit der von FEMNET unterstützten Nichtregierungsorganisation Munnade und der Gewerkschaft Garment Labour Union (GLU) besuchte sie Näherinnen zuhause. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen.

H&M versprach existenzsichernden Lohn ab 2018 - Kampagne für Saubere Kleidung erinnert an die noch ausstehende Umsetzung

Heute vor vier Jahren, am 25. November 2013, machte der Modekonzern H&M eine richtungsweisende Ankündigung. Bis 2018 sollen die rund 850.000 für das Unternehmen produzierenden Näher*innen einen existenzsichernden Lohn bekommen. In Bangladesch verdienen Näher*innen in Zulieferfabriken von H&M derzeit rund 87 US-Dollar pro Monat. Dieses Durchschnittseinkommen liegt knapp unter der von der Weltbank errechneten Armutsgrenze von 88 US-Dollar pro Monat.

Seit 2017 neues Kitaprojekt in Indien

Cividep Befragung von Frauen. Foto: CIVIDEPCividep Befragung von Frauen. Foto: CIVIDEPWir setzen uns seit 2015 gemeinsam mit Cividep, unserer Partnerorganisation vor Ort, erfolgreich dafür ein, dass sich die Situation von Müttern und Kindern in der Branche verbessert.

Cividep hat zu verschiedenen Zeitpunkten (2008, 2012, 2015 und 2017) Studien durchgeführt, um an konkrete Daten zur Betreuung von Kleinkindern und zur Arbeitssituation der Mütter zu kommen und zu überprüfen, ob ein Fortschritt zu beobachten ist. Auf dieser Grundlage leisten wir sowohl in Indien als auch in Deutschland Bildungs- und Kampagnenarbeit.

„Ohne internationale Solidarität wären wir verloren“

Mim Akter (links) und Kalpona Akter berichten vom Überlebenskampf in der bangladeschischen Bekleidungsindustrie. Foto: © FEMNETMim Akter (links) und Kalpona Akter berichten vom Überlebenskampf in der bangladeschischen Bekleidungsindustrie. Foto: © FEMNETAktivistinnen aus Bangladesch berichten über den täglichen Kampf für bessere Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie

Die Löhne in Bangladeschs Bekleidungsindustrie gehören zu den niedrigsten auf der ganzen Welt. Die Arbeitsbedingungen haben sich seit dem Einsturz des Rana Plaza Gebäudes im April 2013 mit über 1100 Toten und 2500 Verletzten nicht wesentlich verbessert. Durch das Gebäude- und Brandschutzabkommen Accord hat allerdings die Sicherheit für die Arbeiterinnen vor einem Einsturz oder vor Brand zugenommen. Doch damit sind nicht Frauendiskriminierung, massive Überstunden und Gewerkschaftsverfolgung verschwunden. Als im Dezember 2016 in der Textilregion Ashulia in Bangladesch Tausende Arbeiter_innen für einen höheren Mindestlohnstreikten, schlugen Fabrikbesitzer und Regierungunbarmherzig zurück, um die Arbeiter_innen und Gewerkschaften einzuschüchtern. 600 Arbeiter_innen und Gewerkschafter_innen wurden angeklagt, 1500 wurden einfach gefeuert, Dutzende inhaftiert.

Knapp ein Jahr nach der brutalen Niederschlagung der Proteste sind Kalpona Akter und Mim Akter auf Einladung von FEMNET e.V. und der Friedrich-Ebert-Stiftung in Deutschland, um über den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und gerechtere Bezahlung zu berichten. Im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen und Vorträgen vor Studierenden, bei Fachtagungen, Diskussionsrunden und Pressekonferenzen haben die beiden die internationale Solidarität als wesentliche Unterstützung für ihren Kampf hervorgehoben.

26./28.09.2017 Faire Beschaffung von Kleidung in den Städten Köln und Bonn präsentiert

Marie-Luise Lämmle berichtete im voll besetzten Gobelinsaal im Alten Rathaus Bonn von Ihrer Dialogreise nach Bangladesch und der Bedeutung für die Stadt Bonn. Foto: © FEMNETMarie-Luise Lämmle berichtete im voll besetzten Gobelinsaal im Alten Rathaus Bonn von Ihrer Dialogreise nach Bangladesch und der Bedeutung für die Stadt Bonn. Foto: © FEMNETIm Rahmen der Fairen Woche 2017 zeigten die Städte Bonn und Köln sich als Pioniere auf dem Weg zu einer fairen Beschaffung von Kleidung, den Sie mit FEMNET gemeinsam beschreiten – mit Modenschau und Schaufensterpuppe.

Textilbündnis braucht gesetzliche Unterstützung: Nur wenige Unternehmen veröffentlichen ihre Roadmaps 2017

Spinnerei in Chittagong, Bangladesch. Foto: © Gisela BurckhardtSpinnerei in Chittagong, Bangladesch.
Foto: © Gisela Burckhardt, FEMNET
Pressemitteilung der Kampagne für Saubere Kleidung

Für das Jahr 2017 mussten sich die Mitglieder im Textilbündnis erstmals in sogenannten Roadmaps Ziele für die Umsetzung von Umwelt- und Sozialstandards in ihren Lieferketten setzen. Die Veröffentlichung dieser Roadmaps ist in diesem Jahr noch freiwillig, doch ab 2018 verpflichtend. Der erste Roadmap-Prozess war in diesem Jahr also noch im „Probelauf“ und somit eine Herausforderung. Entgegen der Erwartungen der Zivilgesellschaft haben nur wenige Mitgliedsunternehmen ihre Roadmap im Jahr 2017 veröffentlicht. Insgesamt waren dies 19 von 87 berichtspflichtigen Mitgliedsunternehmen, also rund 22 Prozent.

Umso mehr begrüßt es die Zivilgesellschaft im Textilbündnis, dass insgesamt 40 Mitglieder (darunter die Bundesregierung, zwei Gewerkschaften, 12 NGOs, 4 Standardorganisationen, 2 Verbände sowie 19 Unternehmen) ihre Roadmap bereits in diesem Jahr veröffentlicht haben.

Textilbündnis braucht gesetzliche Unterstützung: Nur wenige Unternehmen veröffentlichen ihre Roadmaps 2017

Spinnerei in Chittagong, Bangladesch. Foto: © Gisela BurckhardtSpinnerei in Chittagong, Bangladesch.
Foto: © Gisela Burckhardt, FEMNET
Pressemitteilung der Kampagne für Saubere Kleidung

Für das Jahr 2017 mussten sich die Mitglieder im Textilbündnis erstmals in sogenannten Roadmaps Ziele für die Umsetzung von Umwelt- und Sozialstandards in ihren Lieferketten setzen. Die Veröffentlichung dieser Roadmaps ist in diesem Jahr noch freiwillig, doch ab 2018 verpflichtend. Der erste Roadmap-Prozess war in diesem Jahr also noch im „Probelauf“ und somit eine Herausforderung. Entgegen der Erwartungen der Zivilgesellschaft haben nur wenige Mitgliedsunternehmen ihre Roadmap im Jahr 2017 veröffentlicht. Insgesamt waren dies 19 von 87 berichtspflichtigen Mitgliedsunternehmen, also rund 22 Prozent.

Umso mehr begrüßt es die Zivilgesellschaft im Textilbündnis, dass insgesamt 40 Mitglieder (darunter die Bundesregierung, zwei Gewerkschaften, 12 NGOs, 4 Standardorganisationen, 2 Verbände sowie 19 Unternehmen) ihre Roadmap bereits in diesem Jahr veröffentlicht haben.

„Wie gelingt Faire öffentliche Textilbeschaffung?“ – Teil 2 der Intensivschulung durchgeführt

Komplexe Themen, konzentrierte Gesichter: Wie öko-fair beschaffen, bei einer Marktsituation mit bestehenden Gütezeichen und ohne? Foto: © FEMNETKomplexe Themen, konzentrierte Gesichter: Wie öko-fair beschaffen, bei einer Marktsituation mit bestehenden Gütezeichen und ohne?
Foto: © FEMNET
Die zweite Intensivschulung von FEMNET zum Thema „Faire öffentliche Textilbeschaffung“ fand am 29. und 30. September 2017 in Köln statt. 22 Teilnehmende diskutierten Fragen rund um Vergaberecht und die textile Wertschöpfungskette. Sie alle wollen in ihren Kommunen und darüber hinaus bewirken, dass Steuergelder nur für den Einkauf von Bekleidung ohne Menschenrechtsverletzungen eingesetzt werden.

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