Aktuelles

Vertrag für Tamil Nadu-Bündnisinitiative unterzeichnet: Start der Aktivitäten vor Ort

Die Bündnisinitiative zur Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie in Tamil Nadu ist offiziell gestartet: Anfang Juli haben die beteiligten Bündnismitglieder die Verträge unterzeichnet. Damit sind vielfältige Aktivitäten angestoßen, die bessere Arbeitsbedingungen in der lokalen Textilindustrie zum Ziel haben. Bereits im vergangenen Jahr war mit einem Auftaktworkshop mit Vertreter/-innen der Textilindustrie im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu dafür erfolgreich der Grundstein gelegt werden.

Im Fokus der Aktivitäten unter dem Dach des Bündnisses für nachhaltige Textilien stehen insbesondere Spinnereien: Ungefähr 80% der Beschäftigten sind hier Frauen, darunter auch Minderjährige. Ausbeutung über Pauschalverträge, Löhne unterhalb des offiziellen Mindestlohns, exzessive Überstunden, Unterdrückung von Gewerkschaften, fehlende Vereinigungsfreiheit und sexuelle Belästigung stellen für die Mitarbeiter/-innen vor Ort eine Gefahr dar.

Moralisch längst überfällig, nun auch gesetzlich: Der Mindestlohn in Bangladesch muss endlich erhöht werden!

Demonstration am 05.Juli 2018. Foto: © NGWFDemonstration am 05. Juli 2018. Foto: © NGWFGewerkschaften und Arbeiter_innen demonstrieren für Lohnerhöhung in Bekleidungsfabriken

Am 5. Juli hat unsere bangladeschische Partnerorganisation NGWF (National Garment Worker Federation) eine Kundgebung in Dhaka organisiert, um für die längst überfällige Erhöhung des Mindestlohns in Bangladeschs Bekleidungsindustrie zu protestieren. Nachdem die bangladeschische Regierung frühere Proteste zum Teil brutal niederschlagen ließ und hunderte Gewerkschafter_innen und Arbeiter_innen inhaftiert wurden, hat sie am 29. Januar 2018 endlich eine Lohnbehörde eingesetzt, um den Mindestlohn für Textilarbeiter_innen neu festzusetzen.

Textilsiegel „Grüner Knopf“ / Mehr Schein als Sein

Entwicklungsminister Gerd Müller plant, schon bald das Siegel ‚Grüner Knopf‘  für Textilien einzuführen. Die Kampagne für Saubere Kleidung warnt jedoch eindringlich vor der Gefahr der Verwässerung.

Durch das Siegel möchte Entwicklungsminister Gerd Müller für Verbraucher*innen auf den ersten Blick erkenntlich machen, ob das gekaufte Kleidungsstück auch unter ökologisch guten und sozial verträglichen Bedingungen hergestellt wurde. „Ein solches Siegel ist unter zwei Bedingungen für Verbraucher*innen wünschenswert: Wenn es anspruchsvolle soziale und ökologische Standards beinhaltet und wenn es die gesamte textile Wertschöpfungskette, also vom Baumwollfeld bis zum Kleiderbügel, abdeckt. Bei dem freiwilligen Siegel ‚Grüner Knopf‘ besteht jedoch die Gefahr der Verwässerung“, so Ingeborg Mehser vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt.

Zivilgesellschaftliche Mitglieder sehen Textilbündnis in Gefahr

Das von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) initiierte Textilbündnis motiviert Unternehmen nicht ausreichend dazu, sich für die Einhaltung von Menschenrechten in ihren Lieferketten zu engagieren. Das kritisieren die zivilgesellschaftlichen Mitglieder des Bündnisses anlässlich eines Vernetzungstreffens, das am 5. Juni in Hannover stattfindet. Die Unternehmen, die dem Textilbündnis beigetreten sind, decken bisher etwas weniger als 50 Prozent des deutschen Textilmarktes ab. Vermutlich werden zudem Anfang Juli erneut weitere Mitglieder das Bündnis verlassen müssen, wenn sie der Pflicht zur Erstellung eines jährlichen Maßnahmenplans nicht nachkommen. Die zivilgesellschaftlichen Mitglieder verweisen darauf, dass das freiwillige Textilbündnis sinnvolle Beiträge zur Umsetzung von Standards leisten könne. Für die Verwirklichung der Menschenrechte in der textilen Lieferkette sind aber wirksame und für alle Unternehmen geltende gesetzliche Regeln notwendig.

Ein Kampf für Löhne, die zum Überleben reichen

Demonstration in Dhaka, Bangladesch im März 2018. Foto: © NGWFNGWF-Demonstration in Dhaka, Bangladesch im März 2018. Foto: © NGWFArbeiter_innen und Gewerkschaften in Bangladesch fordern seit Jahren eine Erhöhung des Mindestlohns im Bekleidungssektor. Gegenüber dem jetzigen Mindestlohn von 5.300 Taka, etwa 52 Euro, fordern die Gewerkschaften eine Verdreifachung auf 16.000 Taka, etwa 157 Euro. Nach westlichen Maßstäben klingt das nach einer drastischen Erhöhung. Tatsächlich wurde aber der Mindestlohn seit fünf Jahren nicht mehr erhöht, während die hohe Inflationsrate für ständig steigende Lebenshaltungskosten im Land sorgt. So bleibt den Familien, die sich von den ohnehin extrem niedrigen Löhnen in der Bekleidungsindustrie ernähren müssen, jedes Jahr weniger zum Leben. Mim Akter, Gewerkschafterin und Näherin aus Dhaka brachte es während ihres Deutschlandbesuchs im November 2017 auf den Punkt: „Am Ende des Monats hungern wir oder wir nehmen einen Kredit auf.“

Die populärsten Ausreden von Firmen, dem Bangladesh Accord nicht beizutreten

Mit dem Bangladesh Accord sollte nach dem Fabrikeinsturz von Rana Plaza, bei dem am 24. April 2013 1138 Menschen ums Leben kamen, die Gebäudesicherheit in Textilfabriken verbessert werden. Seither hat sich die Sicherheit der Arbeiterinnen und Arbeiter merklich verbessert. Dieses Jahr wird der Accord um weitere drei Jahre verlängert, doch viele Firmen weigern sich, dem Abkommen beizutreten. Doch wieso eigentlich? Die Schweizer CCC hat sie gefragt, und hier die populärsten Antworten für Sie zusammengetragen.

Fair ist der neue Standard: Zweiter Rahmenvertrag mit fair beschaffter Dienst- und Schutzkleidung für das Bonner Amt für Stadtgrün erfolgreich abgeschlossen

Mitarbeiter_innen des Bonner Grünflächenamts mustern die potentielle Ware des neuen Rahmenvertrags. Qualitativ hochwertige Kleidung und Schutzausrüstung ist die Grundlage guter Arbeit! Foto: © FEMNETMitarbeiter_innen des Bonner Grünflächenamts mustern die potentielle Ware des neuen Rahmenvertrags. Qualitativ hochwertige Kleidung und Schutzausrüstung ist die Grundlage guter Arbeit! Foto: © FEMNETZwei Jahre nach der ersten fairen Ausschreibung für die Dienst- und Schutzkleidung der städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bonner Amts für Stadtgrün, etabliert sich das Verfahren. Beschafft wurden beispielsweise Schnittschutzhosen, Forstjacken und Winterwesten – aber auch Forststiefel und Arbeitshandschuhe. Für die 19 Lose gab es fast überall mindestens 4 wertbare Angebote, die kurz vor Ostern nach Qualität, Verarbeitung und Ausstattung bewertet werden mussten.

Aus den ersten Erfahrungen (beschrieben in der Broschüre Schritt für Schritt (PDF-Datei)) wurden Lehren gezogen. Neben den Kriterien Gebrauchswert (30%) und Preis (40%) gingen soziale Kriterien mit 30% in das Rennen um den Zuschlag. Bieter, die für sozial gerechte Produktionsbedingungen in der Ausschreibung positiv berücksichtigt werden wollten, mussten ihren Angeboten auch diesmal konkrete Nachweise beilegen. Möglich machte dies eine abgestufte Bietererklärung zur Kontrolle der ILO-Kernarbeitsnormen. Je mehr Maßnahmen die Bieter zur glaubwürdigen Kontrolle der ILO-Kerbarbeitsnormen nachweisen konnten, desto mehr Punkte konnten sie erzielen.

90 Tage bis zum Ablauf des Abkommens für Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladesch

Accord LogoDie Kampagne für Saubere Kleidung mahnt und ruft Metro sowie weitere Unternehmen dringend zur Unterzeichnung des neuen Abkommens auf.

Das derzeit gültige Abkommen über Brandschutz und Gebäudesicherheit für Bangladesch (ACCORD) läuft in 90 Tagen aus. Es ist daher dringend geboten, zu handeln. In den letzten Jahren konnten viele Fortschritte erreicht werden, doch besteht weiterhin dringender Handlungsbedarf. Deshalb müssen durch die Fortführung des Abkommens konkrete und strukturelle Veränderung weiter vorangetrieben werden. Die Vertragspartner müssen ihr Engagement fortsetzen, um in Bangladesch zur Schaffung einer sicheren und nachhaltigen Bekleidungsindustrie beizutragen.

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