Aktuelles

Klage wegen Fabrikbrand bei KiK-Zulieferer: Landgericht Dortmund: Betroffene aus Pakistan erhalten Prozesskostenhilfe im Verfahren gegen KiK

Saeeda Khatoon und Nasir Mansoor berichten vom Leid und vom Kampf der Betroffenen des Fabrikbrandes in Pakistan. Foto: © Holger Priedemuth Saeeda Khatoon und Nasir Mansoor berichten vom Leid und vom Kampf der Betroffenen des Fabrikbrandes in Pakistan. Foto: © Holger Priedemuth Gerechtigkeit für 260 Tote und 32 Verletzte: Das fordern die Überlebenden und Hinterbliebenen der Brandkatastrophe in der Textilfabrik Ali Enterprises in Karachi (Pakistan). Vier von ihnen reichten im März 2015 beim Landgericht Dortmund Klage gegen den deutschen Textildiscounter KiK ein. KiK war, nach eigenen Angaben, Hauptkunde der im September 2012 abgebrannten Fabrik. Heute hat das Gericht entschieden: Es sieht sich zuständig und die Kläger erhalten Prozesskostenhilfe. Diese Entscheidung ist der erste Schritt, damit ein Fall von Menschenrechtsverletzungen durch deutsche Unternehmen im Ausland auch vor einem deutschen Gericht verhandelt wird.

Chennai, Indien: Gericht beschließt Erhöhung des Mindestlohns um 30% und fordert die Regierung auf, moderne Sklaverei in Fabriken abzuschaffen

Urteil gefällt. © pixabayEnde Juli 2016 hat das Hohe Gericht von Madras gleich zwei wichtige Beschlüsse zum Arbeitsrecht im indischen Bundesstaat Tamil Nadu gefasst. Zum einen wurde das erste Mal seit 12 Jahren der monatliche Mindestlohn für Arbeiter_innen in der Bekleidungsindustrie angehoben - und zwar um 30 Prozent von 67 US-Dollar auf 97. Etwa ein Drittel der gesamten Bekleidungsproduktion Indiens ist in Tamil Nadu angesiedelt und die Millionen von Arbeiter_innen in Tamil Nadu haben seit Jahren mit Löhnen zu kämpfen, die weder den Vorschriften zum Mindestlohn in Indien entsprechen noch ihr Überleben angemessen sichern können. Der jetzige Durchbruch nach einem langen Kampf um gerechte Bezahlung wird jedoch von Seiten der Hersteller und Exporteure boykottiert. Angesichts der Weltmarktpreise sei eine solche Gehaltserhöhung „praktisch unmöglich“ umzusetzen, so die Anwälte der Firmen. Entgegen des erneuten Widerstands seitens der Unternehmen, haben Gewerkschaften und Arbeitsrechtler_innen angekündigt, die Umsetzung des Gerichtsentscheids bei der Regierung des Bundesstaates einzufordern.

Überlebende und Hinterbliebene des Tazreen Fabrikbrandes nach vier Jahren endlich entschädigt

Tazreen Fabrik. Foto: © FEMNET e.V.Tazreen Fabrik. Foto: © FEMNET e.V.Berlin. Durch die Stiftung zur Entschädigung der Tazreen Opfer haben im Juni 2016 alle ArbeiterInnen und Hinterbliebenen ihre Entschädigungszahlung erhalten. Die Clean Clothes Campaign und das International Labor Rights Forum begrüßen diese Entwicklung.

Am 24. November 2012 brach ein Feuer in der Tazreen Fashions Textilfabrik in Bangladesh aus, bei dem 113 Arbeiter_innen ums Leben kamen und fast 200 verletzt wurden. Erst drei Jahre später im September 2015 wurde endlich auf Basis eines Abkommens zwischen C&A, der C&A Stiftung, IndustriALL Global Union, und der Clean Clothes Campaign die Stiftung für Entschädigung der Tazreen Opfer (Tazreen Claims Administration Trust, TCA) ins Leben gerufen.

Faire Bälle im Grundschuleinsatz

Sponsorenlauf Grundschule Holzlar. Foto: © Grundschule HolzlarSponsorenlauf Grundschule Holzlar. Foto: © Grundschule HolzlarEin bisschen kennen sie sich schon aus: Die Schülerinnen und Schüler der Katholischen Grundschule Holzlar haben bereits im Unterricht über die Themen Fairer Handel und Arbeitsbedingungen in der globalen Wirtschaft gesprochen. Daher erkennen sie das grün-blaue Logo von TransFair, das auf den fairen Bällen glänzt, die ihnen die Vizevorsitzende von FEMNET Vanessa Püllen an diesem Junitag mitgebracht hat.

Doch zunächst müssen die Schülerinnen und Schüler einige Runden beim Sponsorenlauf drehen, um Geld für ihre Partnerschule in Indien und einen Balltrichter für den Schulhof zu sammeln. Zur Belohnung dürfen sie danach mit den neuen Bällen spielen. Wie schon auf dem Münsterplatz beim Tag des Sports sind die jungen Testerinnen und Tester von der Vielfalt und Qualität der Bälle begeistert.

Doch auch ihr Wissen rund um faire Bälle soll getestet werden: Welches Land produziert die meisten Bälle? Werden diese geklebt oder genäht? Und wie viele Fußbälle wurden eigentlich für die WM hergestellt? Mit den Fragen aus dem Sport-Quiz bringt Vanessa Püllen die Grundschüler_innen zuweilen ins Grübeln. Damit sie ihr Wissen auch praktisch festigen können, erklärt sie zum Abschluss, wie lange es dauert, einen Ball von Hand zu nähen, und wie mühsam die Arbeit ist. Dazu zeigt die FEMNET-Mitarbeiterin Werkzeuge, die sie in einem „Fußballkoffer“ des Weltladens Bonn mitgebracht hat.

Als es dann gegen Mittag wieder in die Klassenzimmer geht, freuen sich die Schülerinnen und Schüler auf neue faire Bälle, denn die Stadt Bonn möchte zukünftig den Einkauf von Sportbällen für Bonner Schulen um eine Auswahl fair hergestellter Bälle erweitern.

Bangalore, Indien: Eine von sieben Textilarbeiterinnen erlebt sexuelle Gewalt am Arbeitsplatz

FEMNET-Partnerorganisation Munnade veröffentlicht schockierenden Bericht.

Titelblatt: SFC Munnade Women At WorkRund 500.000 Menschen arbeiten in Bangalores Bekleidungsindustrie, etwa zwei Drittel davon Frauen. Viele der etwa 1200 Fabriken produzieren auch für multinationale Unternehmen. Dass die Arbeitsbedingungen dort meist sehr schlecht sind und Arbeitsrechte häufig ignoriert werden, ist mittlerweile auch in den Ländern Europas angekommen, für die ein Großteil der Kleidung produziert wird.

Der im 25. Juni 2016 erschienene Bericht unserer Partnerorganisation Munnade in Zusammenarbeit mit der britischen NGO Sisters for Change zeigt jedoch erstmalig das ganze katastrophale Ausmaß der Misshandlungen.

Pilotprojekt zu Kinderbetreuung für Textilarbeiterinnen in Indien abgeschlossen: Erste Erfolge und Pläne für die Zukunft

Mit ca. 1.200 Bekleidungsfabriken zählt Bangalore heute zu einem der Zentren für die Bekleidungsindustrie in Indien. Obwohl Kinderbetreuung in Textilfabriken vorgeschrieben ist, gibt es sie dennoch entweder gar nicht oder es gibt zu wenig qualifiziertes Personal für adäquat ausgestattete Betreuungsplätze. Die Näherinnen arbeiten lange, ihre Kleinkinder sind deshalb häufig bei Großeltern oder unbeaufsichtigt.

FEMNET hat die indische NRO Cividep unterstützt, im Rahmen eines ersten Pilotprojekts in 2015 ein Musterbeispiel für qualifizierte Krippen zu realisieren.

FEMNET- Ausstellung startet erfolgreich ins Jahr 2016

AusstellungDie Ausstellung „Ich mache deine Kleidung! Die starken Frauen aus Süd Ost Asien“ reist nun schon im zweiten Jahr erfolgreich durch Deutschland. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde für 2016 eine zweite Edition ins Leben gerufen. Somit konnte die Ausstellung bereits seit Anfang dieses Jahres an sieben verschiedenen Orten besucht werden. Eingerahmt in Podiumsdiskussionen, Kleidertauschbörsen, Modenschauen, Messen und vielen weiteren Angeboten genießt die Ausstellung auch 2016 eine hohe Aufmerksamkeit und erreicht verschiedenste Interessenten und Zielgruppen.

v.l.n.r.: Moderatorin Anna Hoff, Otto Kersten (Geschäftsführer gotsutsumu), Janine Steeger (Journalistin), Michael Pieck (IHK Rhein-Sieg), Dr. Lale Akgün (SPD) und Gisela Burckhardt (FEMNET e.V.). Foto: © Pat Röhring

Erfolgreicher Start der bundesweiten Vortragsreise in Bonn – zwei Expertinnen aus Indien berichten über „Die moderne Form der Sklaverei in indischen Spinnereien“

Wissenschaftlerin Dr. Anibel Ferus-Comelo und die Mitarbeiterin der NGO SAVE Mary Viyakula haben am Montag, 9. Mai, ihre bundesweite Vortragsreise in den Räumen der Bonner Friedrich-Ebert-Stiftung gestartet. Vor etwa 80 Interessent_innen stellten sie die neue Studie „Die moderne Form der Sklaverei in indischen Spinnereien“ (PDF-Datei), erstellt von Ferus-Comelo im Auftrag von CIVIDEP India und FEMNET. Diese untersucht das ausbeuterische Camp-Labour-System.

Zunächst stellte Ferus-Comelo die Grundzüge des Systems vor: Anwerben von jungen Mädchen zwischen 14 bis 18 Jahren, unbezahlte Überstunden und Schichtarbeit, körperliche Misshandlungen bis hin zu Vergewaltigungen und Bezahlung unter dem staatlich festgelegten Mindestlohn.

Erste Schritte gegen moderne Sklaverei: Projektvorschlag indischer NGOs zur Beseitigung von Kinder- und Zwangsarbeit ist Thema bei einer Fachtagung mit Mitgliedern des Bündnisses für nachhaltige Textilien

Fachtagung am 12. Mai 2016. Foto: © FEMNETFachtagung am 12. Mai 2016. Foto: © FEMNETAm Ende waren sich alle einig: Das Camp-Labour-System, früher bekannt als Sumangali, muss beseitigt werden. Im Rahmen einer Konferenz, organisiert von FEMNET und der Kampagne für Saubere Kleidung, berieten am 12.05.2016 Mitglieder des Textilbündnisses, darunter Unternehmen, NGOs, Gewerkschaften und Vertreter _innen des BMZ, über die Ausbeutung junger Mädchen in südindischen Spinnereien. Diskutiert wurde insbesondere ein neuer Ansatz für eine Multistakeholder-Initiative, der von indischen NGOs erarbeitet wurde und eine sektorweite Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowie die Beseitigung des Camp-Labour-Systems zum Ziel hat. Neben Expert_innen und NGOs aus Indien nahmen deutsche NGOs, IG Metall, BMZ-Vertreter und sechs große international operierende Unternehmen, H&M, C&A, Tchibo, Primark, die otto group und KiK, an dem Treffen teil.

Weitere Beiträge ...

Neugierig? Unser Newsletter

Jetzt spenden

Verwendung von Cookies

Wir benutzen lediglich technisch notwenige Sessioncookies, ohne diese könnten wir unsere Homepage sonst nur mit unsicheren Einstellungen betreiben.