Presse - Briefing Room

25.03.2022: News der KW 12

Studien und Co.

ZDHC "ZDHC Wastewater Guidelines - Version 2.0 - March 2022": Die ZDHC-Foundation, die sich für den Verzicht auf die Einleitung gefährlicher Chemikalien in der gesamten Industrie einsetzt, hat ihre Abwasserrichtlinien aktualisiert. Die ZDHC-Abwasserrichtlinien der Version 2.0 fassen nun die Anforderungen an die Textil-, Leder- und Schuhindustrie für Industrieabwässer und Schlämme in einem Dokument zusammen. Die aktualisierten Richtlinien bieten auch ein "rationalisiertes" Konzept für Probenahmen und Tests für direkte, indirekte und flüssige Abwässer. Die Beiträge von Interessensgruppen (Marken, Zulieferer*innen, Hochschulen, Laboratorien und Zertifizierungsstellen) und die Prüfverfahren des ZDHC Wastewater Council wurden bei der Erstellung der Richtlinien berücksichtigt.

Eco Age & Geneva School of Economics and Management & Geneva Center for Business & Human Rights "The Great Green Washing Machine Part 2: The Use And Misuse of Sustainability Metrics In Fashion" (PDF): Das erste Whitepaper der Serie "The Great Green Washing Machine Part 1: Back to the Roots of Sustainability" (PDF) (siehe News Update der KW 38 aus dem Jahr '21), untersuchte Standards wie den Grünen Knopf. Dieses zweite Whitepaper beschäftigt sich mit Problemen in der Datenerfassung und argumentiert, dass Umweltauswirkungen von Mode nicht korrekt bewertet werden. Die derzeitigen Bewertungen seien aus zwei Gründen im Großen und Ganzen falsch. Erstens, weil die Messung von "cradle to gate" und nicht von "cradle to grave" erfolgt, so dass die schädlichen Auswirkungen bei der Verwendung und Entsorgung einiger Kleidungsstücke ignoriert werden. Und zweitens, weil die Auswirkungen pro Kilo berechnet werden, während es eigentlich auf die Auswirkungen pro Tragen ankommt.

Global Deal "Promoting social dialogue in garment global supply chains" (PDF): Das Papier beleuchtet die Forschungsarbeiten, die Fair Wear zusammen mit den Partnern New Conversation Project der Cornell University, Mondiaal FNV und CNV Internationaal von 2018 bis 2020 durchgeführt hat. Die Studie identifiziert Hindernisse für einen effizienten sozialen Dialog: Widerstand gegen die Vereinigungsfreiheit und Tarifverhandlungen, Zögern der Arbeitnehmer*innen, sich auf einen Dialog mit dem Management einzulassen, und Fragmentierung der Gewerkschaften. Trotz dieser Hindernisse veranschaulicht das Papier anhand mehrerer Fallstudien, dass ein wirksamer sozialer Dialog eingerichtet werden kann, und zieht Lehren für die Förderung des sozialen Dialogs in Bekleidungslieferketten. Der Global Deal ist eine OECD-Initiative zur Förderung des sozialen Dialogs; Partner*innen sind zahlreiche Gewerkschaften und die Gewerkschaftsföderationen UNI Global Union und IndustriAll, sowie Unternehmen wie H&M und IKEA, und Organisationen wie Fairtrade und die ILO.

News

Baumwoll-Standard: Better Cotton leitet den nächsten Prozess zur Überarbeitung des Standards ein, mit dem Ziel, die Better Cotton Principles & Criteria (P&Cs) zu stärken, um sicherzustellen, dass sie weiterhin den besten Praktiken entsprechen, effektiv und lokal relevant sind und mit der 2030-Strategie übereinstimmen. In den letzten fünf Jahren sind Bereiche wie Klimawandel, menschenwürdige Arbeit und Bodengesundheit stärker in den Fokus gerückt, die Überarbeitung der P&Cs sei nun eine Gelegenheit, um sicherzustellen, dass der Standard mit führenden Praktiken übereinstimmt. Eine öffentliche Konsultation wird voraussichtlich im August - September 2022 stattfinden.

Zirkuläre Kleidung als Open Source Modell: Das in Los Angeles ansässige Unternehmen Everywhere Apparel hat vor kurzem die weltweit erste Closed-Loop-Bekleidungslinie aus 100% GRS-zertifizierter, recycelter Baumwolle auf den Markt gebracht. Das Unternehmen möchte mit seinem mikroplastikfreien Circot-Garn und -Stoff eine vollständig recycelte Alternative zu recyceltem Polyester (rPET) bieten, das nachweislich noch mehr Mikroplastik freisetzt als neues Polyester. Um möglichst viele Marken und andere Partner*innen zu erreichen, hat Everywhere Apparel seine Bekleidungskollektion als B2B-Lösung auf den Markt gebracht und seine exklusive Fasertechnologie und Closed-Loop-Systeminfrastruktur als Open Source freigegeben.

Forderung nach gesetzliche Definitionen von Nachhaltigkeit: Die britische Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde (Competition and Markets Authority, CMA) hat der Regierung geraten, die gesetzlichen Bestimmungen für die Bereitstellung von Umweltinformationen für Verbraucher*innen zu klären. Dazu gehören auch Standarddefinitionen für potenziell irreführende Begriffe wie "klimaneutral" und "recycelbar", die nachhaltige Kaufentscheidungen der Verbraucher*innen erleichtern sollen. Die Empfehlungen folgen auf eine Anfrage des Ministers für Wirtschaft, Energie und Industriestrategie (BEIS) an die CMA im Juli 2021, in der um Ratschläge gebeten wurde, wie die wettbewerbs- und verbraucherrechtlichen Rahmenbedingungen verbessert werden könnten, um Netto-Null-Ziele und Nachhaltigkeitsziele, einschließlich der Vorbereitung auf den Klimawandel, besser zu unterstützen.

Produktionsländer

Usbekistan: Die Nichtregierungsorganisation Cotton Campaign mit Sitz in den USA hat Baumwolle aus Usbekistan rehabilitiert. Kinder- und Zwangsarbeit bei der Baumwollernte in Usbekistan gehören demnach inzwischen der Vergangenheit an, darum lässt Cotton Campaign den internationalen Boykottaufruf fallen. Die ILO spornt internationale Hersteller*innen an, sich in dem Land zu engagieren, denn inzwischen gilt Usbekistan als nachhaltige Beschaffungsalternative zu China. Das Uzbek Forum for Human Rights veröffentlichte hierzu den Bericht "A Turning Point in Uzbekistan’s Cotton Harvest" (PDF).

Bangladesch: Die sechs wichtigsten Flüsse rund um die bangladeschische Hauptstadt Dhaka, die als Lebensadern der Megastadt gelten, werden in alarmierendem Maße durch Industrie- und andere Abfälle verschmutzt, so Expert*innen. Fabriken, die mit Arzneimitteln, Bekleidung, Färbemitteln, Zement und anderen Produkten handeln, leiten seit vielen Jahren ungehemmt Abfälle in die Flüsse Buriganga, Shitalakshya, Turag, Dhaleshwari und Balu ein. Die Gerbereiindustrie, die auf Anordnung der Regierung von der Hauptstadt Dhaka in die Stadt Savar verlagert wurde, verschmutzt nun einen weiteren großen Fluss, den Dhaleshwari, und gefährdet damit die Existenz der biologischen Vielfalt, da die Fabrikbesitzer*innen nicht bereit sind, Methoden zur Kontrolle der Umweltverschmutzung oder gängige Kläranlagen zu nutzen. ITUC CSI IGB veröffentlicht den Bericht "We Need a Better Bangladesh - Violations of Workers' Rights in the Ready-Made-Garment, Shipbreaking and Leather Sectors" (PDF), und fordert die Regierung auf, die Arbeitsplatzsicherheit zu verbessern, die Vereinigungsfreiheit zu wahren, einen nationalen Mindestlohn einzuführen, Arbeitsplätze sicher zu machen und geschlechtsspezifische Gewalt zu eliminieren.

Myanmar: Das Business & Human Rights Resource Center veröffentlicht einen Aufruf Khaing Zars, der Präsidentin der Industrial Workers' Federation of Myanmar (IWFM). Die IWFM fordert gemeinsam mit einer Koalition von 200 Organisationen unter der Führung der Myanmar Labour-Alliance, dass sich alle multinationalen Unternehmen und Marken aus Myanmar zurückziehen. Für Unternehmen sei es unmöglich, in Myanmar eine Sorgfaltsprüfung der Menschenrechte durchzuführen und die Rechte der Arbeitnehmer*innen zu achten. Alle hart erkämpften Arbeitsrechte und Schutzmaßnahmen, für die Gewerkschaften in den letzten Jahrzehnten gekämpft haben, wurden vom Militärregime vollständig ausgehebelt. Die Vereinigungsfreiheit ist in dem Land inzwischen praktisch verboten. Umfassende Wirtschaftssanktionen gegen Myanmar seien unabdingbar, um der Diktatur den Geldhahn zuzudrehen.

 

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