Presse - Briefing Room

11.02.2022: News der KW 6

Studien und Co.

European Commission "Study on the technical, regulatory, economic and environmental effectiveness of textile fibres recycling": Die Ergebnisse dieser Studie sollen als Evidenzbasis zur Verbesserung der Kenntnisse über die Wirksamkeit des Recyclings von Textilabfällen dienen. Diese Studie soll das Verständnis der bestehenden Technologien, die industriell angewandt werden oder sich im Forschungsstadium befinden, für die verschiedenen Arten des Recyclings (z.B. mechanisches Recycling, chemisches Monomer-Recycling, chemisches Polymer-Recycling usw.) vertiefen. Darüber hinaus werden die wirtschaftliche und ökologische Effizienz dieser Recyclingtechnologien analysiert und ein Fahrplan für die in der Entwicklung befindlichen Textilrecyclingtechnologien aufgestellt, um ihre industrielle Einführung zu unterstützen. Schließlich enthält der Bericht auch eine Analyse der einschlägigen politischen Initiativen zur Beseitigung potenzieller rechtlicher Hindernisse und zur Ausweitung der Recyclingaktivitäten für Textilabfälle in der EU.

Textile Exchange "Regenerative Agriculture Landscape Analysis" (PDF): Textile Exchange ist der Meinung, dass der Übergang zu einer regenerativen Landwirtschaft für die langfristige Gesundheit der Mode- und Textilindustrie von grundlegender Bedeutung ist und eine Schlüsselrolle dabei spielt, Landwirt*innen bei der Entwicklung widerstandsfähigerer Systeme zu helfen. Bisher fehlt jedoch ein einheitliches Verständnis von regenerativer Landwirtschaft. Die Agriculture Landscape Analysis ist der erste Bericht, der der Mode- und Textilindustrie einen Rahmen und ein Instrumentarium an die Hand gibt, um die Vorteile der Arbeit in diesem Bereich glaubwürdig zu verstehen, umzusetzen und zu beschreiben. Der Bericht betont die Wurzeln der regenerativen Landwirtschaft in den Praktiken der indigenen Völker und fördert einen ganzheitlichen Ansatz, der Menschen und Ökosysteme in den Mittelpunkt stellt. Um den Bereich der regenerativen Landwirtschaft insgesamt voranzubringen, sollten Bekleidungs-, Textil- und Schuhunternehmen auch den Informationsaustausch mit dem Lebensmittel- und Getränkesektor verstärken und sicherstellen, dass Bekleidungsmarken Einfluss auf die neuesten politischen Entwicklungen, Finanzierungsmodelle und Forschungsinitiativen nehmen.

World Trade Organisation (WTO), UN Department of Economic and Social Affairs (DESA), International Trade Centre (ITC) und UNCTAD "Textiles and clothing in Asian graduating LDCs - Challenges and Options" (PDF): Die Aufhebung des Status der am wenigsten entwickelten Länder (LDC) wird erhebliche Auswirkungen auf die Textil- und Bekleidungsexporte der asiatischen momentanen LDC haben: Bangladesch, Kambodscha, Demokratische Volksrepublik Laos (PDR), Myanmar und Nepal. Die globale Pandemie COVID-19 hat den Sektor hart getroffen, und diese Länder müssen sich nun auch auf mögliche Herausforderungen im Zusammenhang mit der Graduierung vom LDC-Status vorbereiten - einschließlich des Verlusts einiger Handelspräferenzen -, um einen reibungslosen Übergang vom LDC-Status zu gewährleisten. Wie sie den Übergang bewältigen, wird weitgehend davon abhängen, inwieweit solche Anpassungen die Auswirkungen auf ihren Textile &Clothing-Sektor abfedern können. Dieser zusammenfassende Bericht stützt sich auf thematische und länderspezifische Studien, die von der WTO, dem DESA, dem ITC und der UNCTAD erstellt wurden.

News

Rana Plaza: Vor fast neun Jahren stürtzte das Fabrikgebäude ein und riss 1.135 Arbeiter*innen in den Tod. Viele von den 2.438 Verletzten leiden noch heut unter den Folgen. Ein Gericht hatte 2016 41 Personen wegen Mordes angeklagt, weil sie die Baustandards des Gebäudes als unbedenklich erklärt haben und die Fabrikarbeiter gezwungen hatten, trotz des Auftretens beunruhigender Risse am Tag vor der Katastrophe an ihren Arbeitsplätzen zu erscheinen. Der Prozess war nach der Berufung mehrerer Angeklagter unterbrochen worden. Zuvor hatte der Oberste Gerichtshof in Bangladesch entschieden, die Anklage gegen zwei lokale Beamte auszusetzen, denen vorgeworfen wird, den unzureichend sicheren Bau des fünfstöckigen Gebäudekomplexes in der Nähe von Dhaka genehmigt zu haben. Am 31.01. ordnete ein Richter nach fünf Jahren Unterbrechung die Wiederaufnahme des Verfahrens für 36 der Angeklagten an. Der Richter erklärte, dass die Prüfung eines Antrags auf Aufhebung der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs separat stattfinden würde. „Wir wollen den Prozess so schnell wie möglich abschließen. Es ist bereits zu viel Zeit verloren gegangen", sagte Generalstaatsanwalt Sheikh Hemayet Hossain gegenüber AFP.

EU Lieferkettengesetz: Die EU-Kommission hat das geplante EU-Lieferkettengesetz zuletzt mehrfach verschoben. Dagegen protestieren jetzt auch mehr als 100 Unternehmen und Investoren: In einem neuen Statement fordern sie eine wirksame europäische Regelung zum Schutz von Umwelt und Menschenrechten in den Lieferketten (u.a. Textilbündnisunternehmen 3Freunde, Blutsgeschwister, Brands Fashion, Schöffel und Vaude). So fordern sie, dass alle Unternehmen in Europa erfasst werden sollen. Außerdem solle das Gesetz für die gesamte Lieferkette gelten – und eine zivilrechtliche Haftung ermöglichen. Ein solches EU-Lieferkettengesetz würde deutlich über das verwässerte deutsche Lieferkettengesetz hinausgehen. Doch eine neue Recherche zeigt auch: Große Unternehmensverbände wie BDI und VDMA setzen weiterhin alles daran, ein wirksames EU-Lieferkettengesetz zu verhindern und betreiben dazu massive Lobbyarbeit. Die EU-Kommission hat derweil angekündigt, am 23. Februar ihren Entwurf für ein EU-Lieferkettengesetz zu veröffentlichen.

B-Corp-Zertifizierung: Immer häufiger hört man von dem Zertifikat B-Corp. Auch Bekleidungsunternehmen wie Allbirds, MUD Jeans und Patagonia sind B-Corp-Unternehmen. Die B-Corp-Zertifizierung wurde 2006 eingeführt, als Siegel für Unternehmen, die den Gewinn nicht mehr als alleinigen Maßstab für ihren Erfolg ansehen. Um zugelassen zu werden, verwenden Marken das B Impact Assessment Tool, das fünf Schlüsselbereiche umfasst: Unternehmensführung, Arbeitnehmer, Gemeinschaft, Umwelt und Kunden. In den 15 Jahren seines Bestehens wurden nur 4.395 von 143.085 Bewerbern angenommen. Nach der Genehmigung werden die Ergebnisse öffentlich zum Vergleich angezeigt. Unternehmen müssen sich alle drei jahre erneut bewerben, um den Status zu behalten, wobei die Anforderungen jedes Mal strenger werden. Vanessa Barboni Hallik, CEO und Gründerin der B-Corp-Luxusmodemarke Another Tomorrow kritisiert jedoch, dass B-Corp in bestimmten Bereichen strenger sein muss, insbesondere in Bezug auf die Markenverantwortung für Arbeitsbedingungen und existenzsichernde Löhne. Zudem sei das Zertifikat rechtlich nicht durchsetzbar und eine marktgesteuerte Lösung für ein vom Markt geschaffenes Problem. Hallik ist der Meinung, dass allgemeine Gesetzgebung effektiver sein könnte.

Science Based Target Initiative: Die Initiative Science Based Targets hat sich seit ihrer Gründung im Vorfeld des Pariser Klimaabkommens im Jahr 2015 schnell zu einem der einflussreichsten und vertrauenswürdigsten Berater von Unternehmen und Investoren in Sachen Klimawandel entwickelt. Doch nun liegen Beschwerden zu Transparenz und mögliche Interessenskonflikte vor. Die Hauptfinanzierung kommt u.a. von der Ikea-Stiftung, des Bezos Earth Fund sowie der Laudes-Stiftung. SBTi erhebt jedoch auch Gebühren von Unternehmen, die ihre Klimaziele von den zehn hauseigenen Validierern bewerten lassen - ein Service, der ab Februar 9.500$ kosten wird, fast das Doppelte der bisherigen Gebühr. Nach Ansicht von Bill Baue, einer ihrer ursprünglichen Initiatoren und Berater für Unternehmensverantwortung, birgt das gebührenbasierte Modell die Gefahr eines Interessenkonflikts. Die meisten Standard-Organisationen bedienen sich Dritter, um die Einhaltung ihrer Vorschriften zu überprüfen. Alberto Carrillo Pineda, Mitbegründer des SBTi, erklärte jedoch, dass das hauseigene Modell "es uns ermöglicht, das Team zu vergrößern, wenn die Zahl der teilnehmenden Unternehmen steigt". "Das ist nicht so, wie es sein sollte", sagte Ralph Thurm, ehemaliger Chief Operating Officer der Global Reporting Initiative, "Man kann nicht Richter und Jury sein." Dem SBTi zufolge sind nun Reformen im Gange. Dazu gehöre ein neues technisches Gremium, das für mehr Unabhängigkeit sorgen und potenzielle Interessenkonflikte bei der Entscheidungsfindung im Zusammenhang mit den Zielsetzungsmethoden und -kriterien verhindern soll.

 

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