Presse - Briefing Room

28.01.2022: News der KW 4

Studien und Co.

Transparency International Deutschland e.V. "Korruptionswahrnehmungsindex 2021": Der Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index, CPI) ist der weltweit bekannteste Korruptionsindikator und listet Länder nach dem Grad der in Politik und Verwaltung wahrgenommenen Korruption auf. Der CPI 2021 umfasst 180 Länder, die auf einer Skala von 0 (hohes Maß an wahrgenommener Korruption) bis 100 (keine wahrgenommene Korruption) angeordnet werden. Der weltweite Durchschnitt bleibt mit einem Wert von 43 von 100 zum zehnten Mal in Folge unverändert – und verdeutlicht damit, wie schwer sich viele Länder damit tun, aktiv gegen Korruption besser vorzugehen. Zwei Drittel aller untersuchten 180 Staaten und Gebiete haben ein ernsthaftes Korruptionsproblem und erreichen nicht einmal die Hälfte der möglichen Punkte. Die Analyse von Transparency International zeigt zudem, dass ein enger Zusammenhang zwischen der Korruptionsbekämpfung sowie der Achtung der Menschenrechte und bürgerlichen Freiheiten besteht.

First Sentier MUFG Sustainable Investment Institute "Microfibres: the invisible pollution from textiles - Sources, distribution and interventions" (PDF): Das Papier zeigt neue Forschungsergebnisse zum wachsenden Problem der Mikrofaserverschmutzung und befasst sich mit den Quellen und dem Ausmaß der Verschmutzung durch Mikrofasern, mit den Wegen, auf denen sie in die Umwelt gelangen, und mit der Frage, wie ihre Anhäufung die Umwelt und die menschliche Gesundheit beeinträchtigen kann. Da Produktion und Verbrauch von Textilien weltweit weiter zunehmen dürften, könnte die jährliche Freisetzung von Mikrofasern bis 2030 um 54 % ansteigen, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden. Der Bericht zeigt auch Maßnahmen auf, die politische Entscheidungsträger, Textil- und Bekleidungshersteller, Einzelhändler und Investoren ergreifen können, um gegen die Verschmutzung durch Mikrofasern vorzugehen (Regulierung der Abscheidungsrate von Textilien; Begrenzung des Mikrofaserverlustes bei der Textilherstellung; Einsatz von Mikrofaserfiltern in Waschmaschinen; Verbesserung des Mikrofaserrückhalts in Kläranlagen).

Migrant Justice Institute "Migrant Workers' Access to Justice for Wage Theft - A global study of promising initiatives" (PDF): Systematischer Lohndiebstahl ist seit langem Teil der Arbeitsmigrationin aller Regionen der Welt. Während der COVID-19 hat sich die Unterbezahlung von Wanderarbeiter*innen sogar noch weiter verbreitet. Dieser Bericht dokumentiert eine Reihe von Initiativen aus der ganzen Welt, die darauf abzielen, Straffreiheit der Arbeitgeber*innen zu durchbrechen und es Wanderarbeiter*innen zu ermöglichen, Ansprüche geltend zu machen und Wiedergutmachung für Lohndiebstahl zu erhalten. Diese spezifischen, praktischen Reformziele können die Grundlage für gemeinschaftliche und evidenzbasierte Kampagnen gegen Lohndiebstahl auf globaler, nationaler und lokaler Ebene bilden. Für die Untersuchung wurden zahlreiche Organisationen und Expert*innen konsultiert.

Mizrachi und Tal "Regulation for Promoting Sustainable, Fair and Circular Fashion": Angesichts des zunehmenden Tempos der globalen Erwärmung und der wachsenden Besorgnis über den Beitrag der Modeindustrie zur Klimakrise und ihre ausbeuterischen sozialen Dimensionen haben Entscheidungsträger*innen, Politiker*innen und Regierungsbeamt*innen begonnen, nachhaltige Mode durch die öffentliche Politik zu fördern. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Haupthindernisse für eine Kreislaufwirtschaft im Allgemeinen und die Modeindustrie im Besonderen. Er befasst sich mit den weltweit entstehenden Regelungen im Bereich der nachhaltigen Mode und wendet die Grundsätze der Kreislaufwirtschaft auf die Modeindustrie an. Es werden vier Kategorien von politischen Vorschlägen bewertet: Befehls- und Kontrollmaßnahmen, Bildungsinitiativen, Anreize und Zertifizierung; die nach den Kriterien Wirksamkeit, Nachhaltigkeit, Durchführbarkeit, Gerechtigkeit und Einhaltung eingestuft werden. Der Einstufungsprozess basierte auf einer Expert*innenbefragung eines Gremiums mit Fachwissen in den Bereichen nachhaltige Mode aus dem Unternehmenssektor, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass einige politische Optionen zwar alle Kriterien erfolgreich zu erfüllen scheinen, bei der Auswahl einer optimalen Strategie zur Förderung nachhaltiger Mode jedoch häufig Kompromisse zwischen verschiedenen Alternativen eingegangen werden müssen.

News

Existenzlöhne und Klima: In einem Forbes-Artikel spricht Elizabeth L. Cline über den Zusammenhang von existenzsichernden Löhnen mit dem CO2-Fußabdruck der Modebranche. Hierzu greift sie eine Theorie des Umweltwissenschaftlers Roland Geyer auf, nach der "Arbeit und nicht grüne Produkte oder Materialien der Schlüssel zu sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit sind". Geyer rechnet vor, dass eine Anhebung der Löhne der 35 Mio. Bekleidungsarbeiter*innen auf der Welt um nur 100 Dollar pro Woche (was in etwa dem entspricht, was für einen existenzsichernden Lohn in Bangladesch und Indien erforderlich wäre) sofort 65,3 Mio. Tonnen CO2 aus der Weltwirtschaft herausnehmen würde. Arbeit hat keine Auswirkungen auf die Umwelt und senkt die Emissionen durch ein Phänomen, das als Rebound-Effekt bezeichnet wird. Die "Grüne Theorie der Arbeit" funktioniert in erster Linie durch das, was Geyer einen umgekehrten Rebound-Effekt nennt. Jeder Dollar, der für die Zeit und die Fähigkeiten der Menschen ausgegeben wird, ist de facto ein Dollar, der nicht für etwas ausgegeben wird, das sich auf die Umwelt auswirkt, wie z. B. ein Flug nach Bali oder der Kauf eines dritten Flachbildschirms für das Gästezimmer. "Die zusätzlichen 20 Dollar, die ich für ein T-Shirt ausgebe, um jemanden fair zu bezahlen, sind 20 Dollar, die ich ohne jegliche Umweltauswirkungen ausgegeben habe, weil ich nur für die Zeit der Leute bezahlt habe", erklärt Geyer und behauptet deshalb "Ein T-Shirt mit existenzsicherndem Lohn verringert den ökologischen Fußabdruck um ein Vielfaches, viel mehr als der Versuch, ein T-Shirt aus Bambus oder Hanf herzustellen".

Oeko-Tex-Tool zu CO2-Emissionen: Oeko-Tex hat seinen neuen „Impact Calculator“ vorgestellt, mit dem CO2-Emissionen und Wasserverbrauch im Einklang mit den Klimazielen von Modeunternehmen gemessen und quantifiziert werden können. Das Tool ermöglicht es Marken, die größten Auswirkungen auf die CO2-Emissionen und den Wasserverbrauch bei Produktionsprozessen zu identifizieren und zu bestimmen, wo sie Maßnahmen ergreifen müssen, um Reduktionsziele zu erreichen. Das Tool wird für Step by Oeko-Tex Kund*innen verfügbar sein. Die Berechnungen werden in die Betriebszertifizierung von Produktionsstätten einfließen und Marken die Möglichkeit geben, das Produktlabel „Made in Green by Oeko-Tex“ zu erhalten. Im Laufe des Jahres wird das Oeko-Tex außerdem eine neue Zertifizierung für die unternehmerische Sorgfaltspflicht einführen, die den Namen „Responsible Business by Oeko-Tex“ trägt. Mit dieser Zertifizierung werden Marken und Einzelhandelsunternehmen ausgezeichnet, die sich zur Einhaltung internationaler Vereinbarungen zum Schutz der Menschenrechte und der Umwelt verpflichten.

Innovationen in der Nass-Veredlung: Die Textilverarbeitung ist für die höchsten Treibhausgasemissionen und den größten Wasser- und Chemikalienverbrauch in der Wertschöpfungskette der Modebranche verantwortlich. Aufgrund der nötigen und möglichen Einsparungen von Energie- und Wasserverbrauch, vermehren sich innovative Ansätze im Bereich der Nass-Veredlung. Die globale Nachhaltigkeitsinitiative Fashion for Good hat ein neues Gemeinschaftsprojekt namens „D(r)ye Factory of the Future“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, den Übergang von der Nass- zur Trockenverarbeitung zu beschleunigen. Das Projekt vereint mehrere Innovationen in der Textilvorbehandlung und -färbung, die das Potenzial haben, die Emissionen um bis zu 89% und den Wasserverbrauch um 83-95% zu senken. Aufgrund der potenziell hohen Kosteneinsparungen, ist der Bereich der Textilveredlung auch für Investor*innen höchst attraktiv und stellt damit eine Win-Win-Situation für Klima und Finanzmarkt dar.

Produktionsländer

Bangladesch & Kambodscha: In dem Bericht "Casualties of Fashion: How garment workers in Bangladesh and Cambodia are wearing the cost of COVID-19" (PDF) hat ActionAid Australien die verheerenden Auswirkungen der Pandemie auf die Bekleidungsarbeiter*innen in beiden Ländern aufgezeigt. Anhand von Interviews mit 218 Textilarbeiter*innen hat die Studie gezeigt, dass die weltweit führenden Modemarken auch zwei Jahre nach Ausbruch der Pandemie die Kosten für COVID-19 weiterhin auf die Textilarbeiter*innen abwälzen, die ihre Kleidung herstellen. Wichtigste Forschungsergebnisse des Berichts: Die Arbeitnehmer*innen in Bangladesch mussten einen durchschnittlichen Lohnrückgang von 7,5% hinnehmen; in Kambodscha sanken die Löhne der Arbeit*innen im Durchschnitt um mehr als 25%; 56% der Beschäftigten in Kambodscha und 28% in Bangladesch gaben an, dass sich ihre Rechte am Arbeitsplatz seit Beginn der Pandemie verschlechtert haben. Fast die Hälfte der Arbeiterinnen in Kambodscha und ein Drittel in Bangladesch berichteten, dass sie am Arbeitsplatz belästigt wurden oder Gewalt erfahren haben.

Indien: Ein unbefristeter Streik von 200.000 Betreiber*innen elektrischer Webstühle in den Bezirken Coimbatore und Tiruppur im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu hat die Verarbeitung von Garn zu Stoff in einem der wichtigsten Zentren der Textil- und Stoffherstellung des Landes lahm gelegt. Weder die Betreiber*innen der Webstühle noch die angestellten Arbeiter*innen, haben seit 2014 eine Lohnerhöhung erhalten. Ausschlaggebend für den Streik war angeblich die Weigerung der großen Webereien, eine mit den Betreibern im November letzten Jahres vereinbarte Erhöhung der Akkordlöhne zu genehmigen. Die Betreiber*innen der Webstühle werden von den großen Fabriken für das Weben des Garns zu Stoffen mit einem Hungerlohn entlohnt und beschäftigen bis zu fünf oder sechs Arbeiter*innen im Akkord, um die Arbeit zu erledigen. In einem Bericht aus dem Jahr 2014 heißt es, dass die Arbeiter im Durchschnitt zwischen 10 und 12 Stunden pro Tag arbeiten, bei hoher Nachfrage aber Doppelschichten von 16 Stunden und mehr absolvieren müssen.

 

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