Textilarbeiterin Nurun Nahar aus Bangladesch

© Marieke van der Velden

Nurun Nahar (Jg. 1973) aus Bangladesch

Seit 1989 arbeitet Nurun in der Textilindustrie. „Ich begann als Gehilfin in einer Fabrik, in der für die Europäer Kleidung hergestellt wurde. Es war die niedrigste Arbeit mit dem niedrigsten Gehalt! Heute arbeite ich an der Nähmaschine.“ Neben ihrer Arbeit als Näherin ist sie Vizepräsidentin einer der größten Gewerkschaften in Bangladesch.

„Die Gewerkschaft ist mein Leben.“ erzählt Nurun. „Ich organisiere Versammlungen und bringe Arbeiterinnen in Kontakt mit der Gewerkschaft. Ich erkläre den jungen Frauen, was ihre Rechte sind und wie sie sich in der Fabrik behaupten können. Auch wenn sich nicht alle Frauen trauen gegen das Fabrikmanagement vorzugehen – ich säe immerhin Saat in ihren Köpfen.“ Nurun hat große Pläne. „Ich werde noch Präsidentin der Gewerkschaft. Ihr werdet sehen, ich werde ganz oben ankommen!“

 

Nurun Nahar im Gespräch mit FEMNET 2015

FEMNET-Vorstandsfrau Gisela Burckhardt besuchte im September 2015 Bangladesch. Im Rahmen dieser Reise war es ihr möglich, sich mit einigen der in der Ausstellung „Ich mache Deine Kleidung! Die starken Frauen aus Süd Ost Asien“ porträtierten Frauen persönlich zu treffen und mehr über ihre Lebensgeschichte zu erfahren.

Foto: © Gisela BurckhardtFoto: © Gisela BurckhardtNuruns Vater starb, als sie noch ein Baby war. Sie ist die Mittlere von drei Mädchen. Vier Jahre lang ging sie zur Schule. Als ihre Mutter die Schuluniform und die Bücher nicht weiter bezahlen konnte, begann Nurun zu arbeiten. Zunächst machte sie Stickarbeiten zuhause, später begann sie in einer Textilfabrik zu arbeiten. Sie hatte keine Vorkenntnisse über das Nähen und lernte alles am Arbeitsplatz.

Um einen besseren Lohn zu bekommen, muss man in Bangladesch die Fabrik(en) wechseln, was sie auch tat. In der letzten Fabrik blieb sie jedoch neun Jahre lang. Dort wurde sie am Ende entlassen, weil sie die Arbeiterinnen organisierte, die gegen zu niedrige Bezahlung von Nachtschichten und zu späte Lohnauszahlungen protestierten.

Schon sehr früh kam sie in Kontakt mit der Gewerkschaft NGWF. Nach ihrer Entlassung arbeitete sie in weiteren sieben Fabriken und war zudem bei NGWF stundenweise angestellt.

2013 wurde sie von rund 400 Delegierten zur Vizepräsidentin von NGWF gewählt und begann als Vollzeitkraft für NGWF zu arbeiten.

Nurun ist nicht verheiratet und hat keine Kinder. Sie musste immer ihre Familie unterstützen. Seit ihre Schwester, mit der sie zusammenlebte, 2012 starb, lebt Nurun nun allein. Sie zahlt 4500 Taka (ca. 45 Euro) Miete für ihr Zimmer. Insgesamt gibt es dort, wo sie wohnt, vier Zimmer, in denen zwölf Menschen wohnen. Für jeweils zwei Zimmer gibt es einen Waschraum. Die gemeinsame Kochstelle befindet sich außerhalb. Ihr Lohn beträgt 9900 Taka (ca. 99 Euro), wovon sie also schon die Hälfte für die Miete aufwenden muss.

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