Mim Salma Akter

© Marieke van der Velden

Mim Salma Akter (Jg. 1990) aus Bangladesch

„Wenn ich wählen könnte, würde ich gerne anderen Menschen helfen, z. B. als Ärztin“, erzählt Salma. Seit ungefähr fünf Jahren arbeitet sie in der Bekleidungsfabrik. „Ich würde lieber was anderes machen. Irgendwas, wo ich Tageslicht sehe.“ Sie näht Reißverschlüsse in Kleidung. „Wenn der Druck hoch ist und eine Lieferung fertig werden muss, arbeite ich manchmal zehn oder elf Stunden am Tag.“

Als Gewerkschaftsmitglied setzt Salma sich dafür ein, Missstände aufzuzeigen wie: viel zu viele Überstunden, kein Krankengeld, beleidigende Beschimpfungen. „Letztens gab es im Lager meiner Fabrik einen Brand. Niemand wurde verletzt, aber viel wurde schwer beschädigt. Statt der Kleider hätten auch wir verbrennen können. Wir hatten Glück.“

 

Mim Salma Akter im Gespräch mit FEMNET

FEMNET-Vorstandsfrau Gisela Burckhardt besuchte im September 2015 Bangladesch. Im Rahmen dieser Reise war es ihr möglich, sich mit einigen der in der Ausstellung „Ich mache Deine Kleidung! Die starken Frauen aus Süd Ost Asien“ porträtierten Frauen persönlich zu treffen und mehr über ihre Lebensgeschichte zu erfahren.

Foto: © Gisela BurckhardtFoto: © Gisela BurckhardtSie ist das Dritte von vier Kindern und ging bis zur 5. Klasse zur Schule. Die älteren Geschwister gingen nicht in die Schule, weil die Familie zu arm war. Mit 13 Jahren begann sie als Druckerin in einer Textildruckerei zu arbeiten und hat seitdem in verschiedenen Fabriken gearbeitet.

2012 kam sie in Kontakt mit einer Gewerkschaft, wurde von dieser geschult und begann dann ihre Kolleginnen zu organisieren. Sie erreichte die Zulassung der Betriebsgewerkschaft. Das Fabrikmanagement drohte mit der Schließung der Fabrik und mit Prügel der Gewerkschaftsmitglieder. Von 900 Arbeiterinnen sind 500 gewerkschaftlich organisiert, zwölf Arbeiterinnen wurden in ein Komitee gewählt. Sieben von ihnen wurden mit Stöcken geschlagen, solange bis sie ohnmächtig wurden. Mithilfe der Fabrikleitung wurde eine „Gegengewerkschaft“ gegründet, um die bestehende Gewerkschaft zu bekämpfen.

Das Gebäude- und Brandschutzabkommen ACCORD sieht vor, dass Gewerkschaftsmitglieder an den Inspektionen teilnehmen können, wenn es eine Gewerkschaft in der Fabrik gibt. Die Fabrik widersetzte sich dem aber. Nach einer Besichtigung durch den ACCORD wurde eine Gewichtsreduzierung in einem Teil der Fabrik gefordert. Das Management folgte der Vorgabe, doch ein paar Tage später wurde wieder zu viel Gewicht gelagert. Mim zeigte dies dem ACCORD an, woraufhin neun Mitglieder der Gewerkschaft entlassen wurde. Mim und der Präsident der Gewerkschaft verweigerten die Einwilligung in die Entlassung und zogen vor Gericht. Das Verfahren ist noch offen, denn ein solcher Fall dauert mehrere Jahre, bis das Gericht sich damit befasst.

Derzeit verdient sie Mim nur 4000 Taka (ca. 40 Euro). Für das Zimmer, in dem sie mit anderen Frauen zusammenlebt, muss sie eine Miete von 3000 Taka (ca. 30 Euro) zahlen. Um überleben zu können, hat sie nun einen Kredit aufgenommen.

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