© Marieke van der Velden

Tania Akter (Jg. 1990) aus Bangladesch

„Ich mach alles was mit Jacken zu tun hat“, erzählt Tania. „Ich nähe mit einer Maschine Knöpfe und Reißverschlüsse in die Kleidung ein. Ich kann mir nicht aussuchen, was ich tue“. Tania ist Gewerkschafterin und Ansprechpartnerin für 850 Gewerkschaftsmitglieder.

Sie hat eine deutliche Botschaft an die Menschen, die die Kleidung tragen, an der sie arbeitet:  „Ich bin hier – mich gibt es! Und ich würde euch gerne von meinem Alltag in der Fabrik und dem ganzen Drumherum erzählen. Je mehr Menschen wissen, wie es hier zugeht, desto mehr Menschen können uns unterstützen. Und das brauchen wir. Zusammen werden wir ernst genommen!“

 

Tania Akter im Gespräch mit FEMNET 2015

FEMNET-Vorstandsfrau Gisela Burckhardt besuchte im September 2015 Bangladesch. Im Rahmen dieser Reise war es ihr möglich, sich mit einigen der in der Ausstellung „Ich mache Deine Kleidung! Die starken Frauen aus Süd Ost Asien“ porträtierten Frauen persönlich zu treffen und mehr über ihre Lebensgeschichte zu erfahren.

Tania Akter. Foto © Gisela BurckhardtFoto: © Gisela BurckhardtTania ist die Jüngste von sechs Kindern, darunter fünf Mädchen und ein Junge. Sie besuchte vier Jahre lang die Schule und begann 1999 in der Fabrik zu arbeiten. Da sie eine gute Schülerin war, gab ihr ein Lehrer weiter Unterricht, sodass sie bis zur 8. Klasse lernen konnte.

Sie begann in der Fabrik als Gehilfin mit einem Lohn von 700 Taka (ca. 7 Euro). Sie wechselte mehrmals die Fabrik, ging zwischendurch für ein Jahr in ihr Dorf zurück und fing 2008 wieder bei Luman an, einem früheren Arbeitgeber, wo sie seitdem arbeitet.

Sie gründete dort eine Betriebsgewerkschaft im November 2013. Dafür waren zwei Anläufe nötig, weil die erste Registrierung nicht zugelassen wurde. Heute ist Tania Generalsekretärin der Gewerkschaft in der Fabrik und hat einen CBA (Collective Bargaining Agreement) erreicht (es gibt nur 15 in ganz Bangladesch). Anfangs war das Management gegen eine Gewerkschaft, aber sie überzeugte den Besitzer, dass eine Gewerkschaft auch für ihn gut ist. Die meisten der Arbeiterinnen von Luman sind Mitglied der Gewerkschaft. Auch das mittlere Management wollte Mitglied werden, aber Tania wollte das nicht, daher stehen diese Personen noch auf der Warteliste.

Aus ihrer Sicht hat die Gewerkschaft bisher folgende Wirkungen gehabt:

  • Lohn und OT (Überstunden) werden zusammen ausgezahlt.
  • Eid-Bonuszahlungen wurden von 30% auf 50% erhöht.
  • Es wurde eine jährliche Lohnerhöhung vereinbart.
  • Der Anwesenheitsbonus wurde von 200 (ca. 2 Euro) auf 400 Taka (ca. 4 Euro) erhöht.
  • Der Anwesenheitsbonus der Helferinnen wurde von 50 (ca. 0,50 Euro) auf 200 (ca. 2 Euro) Taka erhöht
  • Die Produktion stieg.

Ein Beispiel für gute Zusammenarbeit: Eine Ware drohte zu spät fertig zu werden, was bedeutet, dass sie mit dem Flugzeug hätte transportiert werden müssen statt mit dem Schiff. Weil die Arbeiter_innen bereit waren, Überstunden zu machen, konnte der Besitzer diese zusätzlichen Kosten sparen.

Tania ist nicht verheiratet und lebt bei ihren Eltern. Ihr Lohn beträgt 7090 Taka (ca. 70 Euro). Für die Miete muss sie 5000 Taka (ca. 50 Euro) zahlen (für ihre Eltern und sich selber).

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