Nachrichten - Bündnis für nachhaltige Textilien

Junge Textilarbeiterin legt Fadenspulen in einer Spinnerei nach

© FEMNET

Textilbündnis: Die Bündnisinitiative Tamil Nadu 2.0 startet erfolgreich in die zweite Phase

Das gemeinsame Engagement für verbesserte Beschwerdestrukturen in Spinnereien und die Förderung des Stakeholder-Dialogs gehen weiter. Die Bündnisinitiative Tamil Nadu ist im November 2021 in die zweite Phase gestartet. Nun liegt das Hauptaugenmerk auf rund 40 Spinnereien in den vier Distrikten Coimbatore, Dindigul, Erode und Tiruppur.

Neben dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie FEMNET beteiligen sich erneut die vier Bündnisunternehmen Tchibo, die Otto Group, KiK und die HUGO BOSS AG an dem Projekt. Wie schon in der ersten Projektphase organisiert die lokale NGO SAVE die Implementierung vor Ort.

Steigende Infektionszahlen und erneute Lockdowns im indischen Bundesstaat sorgten für Verzögerungen. Doch nun nimmt das Projekt Fahrt auf und die ersten Trainings und Fabrikbesuche konnten stattfinden.

Auf Erfahrungen und Erfolgen der ersten Projektphase aufbauen

Projektübersicht

ZIEL: Verbesserte Arbeitsbedingungen in südindischen Spinnereien durch funktionierende Beschwerdemechanismen und kontinuierlichen Social Dialogue

LAND: Indien, Deutschland

Hauptpartner: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), HUGO BOSS AG, KiK Textilien & Non Food GmbH, Otto Group, Tchibo GmbH, FEMNET e.V.

Lokale Partner*innen: SAVE

Kooperationen & Support:
WE Trainer*innen, MSI-TN

Laufzeit: 01.11.2021 - 30.03.2023

Die erste Phase der Bündnisinitiative (BI) kann auf einige Erfolge zurückblicken: In rund 200 Spinnereien wurden insgesamt 24.500 Arbeiter*innen und 2.000 Fabrikmanager*innen zu Arbeits- und menschenrechtlichen Standards geschult und mehr als 240 Beschwerde-Komitees eingerichtet. Darüber hinaus trug der regelmäßige Austausch auf Distrikt- und Bundesebene zwischen den Stakeholdern aus Regierung, Wirtschaft, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft dazu bei, mehr Vertrauen und Transparenz zu schaffen und gemeinsame Aktionspläne zu formulieren.

Dennoch stellten die Beteiligten nach der ersten Projektphase auch Verbesserungspotenziale fest: bei der Einbindung des Managements in Spinnereien und Fabriken, der Effektivität der eingerichteten Beschwerdekomitees sowie der Verbindung zwischen Trainings- und Dialogkomponente. Des Weiteren machte die COVID-19-Pandemie die Fragilität der Strukturen deutlich: Zwar konnten die Beteiligten die Netzwerke gut für Nothilfe und Präventionsmaßnahmen nutzen, allerdings kamen die Dialogprozesse nach Ausbruch der Pandemie weitestgehend zum Erliegen.

BI Tamil Nadu 2.0: Verstärkte Beteiligung, mehr Austausch, aber weniger Spinnereien

Um auf die Herausforderungen der ersten Phase angemessen zu reagieren, setzen die Mitglieder der BI im neuen Projektkonzept vor allem auf eine stärkere Verknüpfung der Module, intensivere Beteiligung der deutschen Unternehmen sowie ein verbessertes Beschwerdesystem durch externe Monitoring-Maßnahmen.

Statt eine möglichst große Anzahl von Spinnereien zu erreichen, wählen sie nun zehn Pilotfabriken pro Distrikt aus, um die Trainings in Bezug auf Umfang und Qualität ausbauen zu können. Hier bringen die von Tchibo für das Projekt vorgeschlagenen Trainer*innen ihre Expertise in Bezug auf Trainingskonzeption und Unternehmensansprache ein, um gemeinsam mit SAVE für eine größere Akzeptanz und Beteiligung seitens des Fabrikmanagements zu sorgen. Die Trainer*innen waren Teil des „Worldwide Enhancement of Social Quality (WE) Programms, welches Tchibo 2008 als Public Private Partnership mit der GIZ ins Leben gerufen hatte. Neu sind auch unabhängige Personen für das Monitoring. Sie sollen den Fortschritt und die Funktionalität der fabrikinternen Beschwerdekomitees begleiten und überprüfen und sich außerhalb der Fabriken mit den Arbeiter*innen austauschen.

Über die jeweiligen Distriktkoordinator*innen von SAVE, die sowohl für die Trainings in den Spinnereien als auch für die Arbeit der Distriktkomitees verantwortlich sind, ist ein direkter Austausch zwischen den Modulen „Dialog“ und „Trainings“ geschaffen. Die Distriktkomitees sind weiterhin mit Repräsentant*innen von Regierung, Unternehmen und Verbänden sowie NGOs und Gewerkschaften besetzt. Sie setzen sich konkrete Meilensteine, um die strukturellen Probleme in den Spinnereien und Fabriken zu adressieren und die Arbeitsbedingungen auf Dauer zu verbessern.

Über das neu geschaffene Modul "Brand Engagement" soll außerdem die Beteiligung der deutschen Unternehmen intensiviert werden: Neben dem regelmäßigen Austausch mit allen Stakeholdern geht es in diesem Modul darum, die eigenen Lieferketten transparenter zu gestalten. Außerdem sollen die Unternehmen das Projekt auf Fabrikebene begleiten: Tchibo, die Otto Group, KiK und die HUGO BOSS AG haben hierfür je eine oder zwei der insgesamt 40 teilnehmenden Spinnereien nominiert und unterstützen SAVE bei der Kontaktaufnahme und der weiteren Kommunikation.

Pandemie und Projektstart

Steigende Infektionszahlen in Tamil Nadu haben den Projektstart verzögert und die Umsetzung erschwert: Spinnereien waren für Besucher*innen geschlossen, Reiseverbote verhinderten den Austausch zwischen den WE Trainer*innen und SAVE und Präsenztreffen der Komitees waren nicht möglich. Dennoch wurden bis März 2022 rund ein Drittel der Spinnereien akquiriert, das Projektteam geschult und die erste "Assessment"-Woche mit den WE Trainer*innen umgesetzt. In diesem Zuge besuchten die Trainer*innen bereits fünf Spinnereien der vier Distrikte. Auf deutscher Seite fanden neben der Kick-Off Veranstaltung mit den BI-Mitgliedern auch regelmäßige Abstimmungstreffen mit dem holländischen Factory Support Program und Freedom Fund statt.

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