Nachrichten - Kampagne für Saubere Kleidung (CCC)

Die Repression protestierender Arbeiter*innen in Bangladesch zeigt den mangelnden Respekt der Regierung für Grundfreiheiten

Grundlohndemo 27. Juli 2018. Foto: © NGWFFoto: © NGWF

Bonn. Nach der jüngsten Revision der Mindestlöhne im Textilsektor sind in Bangladesch tausende Arbeiter*innen aus Protest auf die Straße gegangen. In der Hauptstadt Dhaka feuerte die Polizei Gummigeschosse und Tränengas in die Menge, worauf ein Arbeiter starb und viele andere verletzt wurden.

Die Kampagne für Saubere Kleidung verurteilt entschieden die gewaltsame Beschneidung des Demonstrationsrechts“, sagt Artemisa Ljarja, Eilaktionskoordinatorin der Kampagne für Saubere Kleidung.

Stellungnahme der Kampagne für Saubere Kleidung zum Grünen Knopf

Wuppertal. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) plant die Einführung eines staatlichen Metasiegels für sozial und ökologisch hergestellte Textilien. Dieses Metasiegel soll unter der Bezeichnung „Grüner Knopf“ im Auftrag des BMZ für Bekleidung und andere Textilprodukte vergeben werden.

Stellungnahme der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) zum Umsetzungskonzept des Grünen Knopfs des BMZ

Grüner KnopfDas Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung plant die Einführung eines staatlichen Metasiegels für die textile Lieferkette ("Grüner Knopf") und lud deshalb im September 2018 zu einem Runden Tisch zur Diskussion des Umsetzungskonzepts dieses Metasiegels ein. Die Kampagne für Saubere Kleidung nahm an dieser Diskussion teil und teilt nun mit dieser Stellungnahme ihre dort bereits eingebrachte Sichtweise auch schriftlich mit:

Der Grüne Knopf (GK) soll ein staatliches Metasiegel sein, das sich zunächst nur auf die Stufe der Konfektion bezieht. Wenn sie den GK verwenden wollen, müssen Unternehmen nachweisen, dass

  1. sie ihren unternehmerischen Sorgfaltspflichten nachkommen, wobei die Anerkennung einer Roadmap im Rahmen des Textilbündnisses als Nachweis akzeptiert werden soll.
  2. die Produkte mit dem GK den Mindestanforderungen in den Bereichen Soziales, Umwelt und Glaubwürdigkeit für ein Produktsiegel entsprechen, das auf der Vergleichsplattform „Siegelklarheit“ mit „gut“ und „sehr gut“ bewertet wird.

Trotz Kritik an der grundsätzlichen Schwäche von Produktsiegeln begrüßt die Kampagne für Saubere Kleidung doch die Kombination von unternehmens- und produktbezogenen Kriterien bei der Vergabe des GK. Wir haben jedoch massive Anfragen an die bisher geplante Ausgestaltung dieser Kombination, die das Anspruchsniveau, die Reichweite, die Kontrolle, die Kommunizierbarket und damit insgesamt auch die Glaubwürdigkeit des geplanten Metasiegels betreffen.

Arbeiter*innen in H&M Lieferketten enthüllen Hungerlöhne und Verletzungen des Arbeitsrechts

copy; CCC TurnAroundAm 25.09.2018 veröffentlichte Rechercheergebnisse enthüllen, dass viele Arbeiter*innen in „Vorzeige“-Zulieferfabriken des Modekonzerns H&M unter der Armutsgrenze leben – und das, obwohl H&M ihnen für 2018 existenzsichernde Löhne versprochen hatte.

Die befragten Arbeiter*innen in Indien und der Türkei verdienten ein Drittel eines Lohns, der als existenzsichernd gilt; in Kambodscha ist es weniger als die Hälfte. Die Interviewten in der bulgarischen von H&M als „Gold“-Zulieferer ausgezeichneten Fabrik erhielten in regulärer Arbeitszeit sogar weniger als zehn Prozent eines existenzsichernden Lohns. Dies geht aus einer Befragung der Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign) in sechs Fabriken in Bulgarien, Kambodscha, Indien und der Türkei hervor.

Textilsiegel „Grüner Knopf“ / Mehr Schein als Sein

Entwicklungsminister Gerd Müller plant, schon bald das Siegel ‚Grüner Knopf‘  für Textilien einzuführen. Die Kampagne für Saubere Kleidung warnt jedoch eindringlich vor der Gefahr der Verwässerung.

Durch das Siegel möchte Entwicklungsminister Gerd Müller für Verbraucher*innen auf den ersten Blick erkenntlich machen, ob das gekaufte Kleidungsstück auch unter ökologisch guten und sozial verträglichen Bedingungen hergestellt wurde. „Ein solches Siegel ist unter zwei Bedingungen für Verbraucher*innen wünschenswert: Wenn es anspruchsvolle soziale und ökologische Standards beinhaltet und wenn es die gesamte textile Wertschöpfungskette, also vom Baumwollfeld bis zum Kleiderbügel, abdeckt. Bei dem freiwilligen Siegel ‚Grüner Knopf‘ besteht jedoch die Gefahr der Verwässerung“, so Ingeborg Mehser vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt.

90 Tage bis zum Ablauf des Abkommens für Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladesch

Accord LogoDie Kampagne für Saubere Kleidung mahnt und ruft Metro sowie weitere Unternehmen dringend zur Unterzeichnung des neuen Abkommens auf.

Das derzeit gültige Abkommen über Brandschutz und Gebäudesicherheit für Bangladesch (ACCORD) läuft in 90 Tagen aus. Es ist daher dringend geboten, zu handeln. In den letzten Jahren konnten viele Fortschritte erreicht werden, doch besteht weiterhin dringender Handlungsbedarf. Deshalb müssen durch die Fortführung des Abkommens konkrete und strukturelle Veränderung weiter vorangetrieben werden. Die Vertragspartner müssen ihr Engagement fortsetzen, um in Bangladesch zur Schaffung einer sicheren und nachhaltigen Bekleidungsindustrie beizutragen.

Die Schattenseiten des Booms – Aktivist_innen aus Myanmar berichten über Arbeitsrechtsverletzungen im neuen Musterland der Investoren

Teilnehmer_innen der Informationsveranstaltung in Bonn. Foto: © FEMNETTeilnehmer_innen der Informationsveranstaltung in Bonn.
Foto: © FEMNET
“Made in Myanmar” prangt immer häufiger auf den Etiketten von Hosen, Hemden und Jacken. Die Textilindustrie im Land boomt, Weltmarken wie Adidas oder H&M lassen in dem südostasiatischen Staat produzieren – unter fragwürdigen Bedingungen. Über die Schattenseiten des bei Investoren gelobten Musterlandes Myanmar berichteten Arbeitsrechts-Aktivist_innen auf Einladung von FEMNET am 22. Februar 2018 im Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) vor über 30 Interessierten in Bonn.

H&M versprach existenzsichernden Lohn ab 2018 - Kampagne für Saubere Kleidung erinnert an die noch ausstehende Umsetzung

Heute vor vier Jahren, am 25. November 2013, machte der Modekonzern H&M eine richtungsweisende Ankündigung. Bis 2018 sollen die rund 850.000 für das Unternehmen produzierenden Näher*innen einen existenzsichernden Lohn bekommen. In Bangladesch verdienen Näher*innen in Zulieferfabriken von H&M derzeit rund 87 US-Dollar pro Monat. Dieses Durchschnittseinkommen liegt knapp unter der von der Weltbank errechneten Armutsgrenze von 88 US-Dollar pro Monat.

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