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Textilarbeiter*innen mit Maske an deen Nähmaschinen.

© FEMNET

Bangladesch im Angesicht der zweiten Welle: Die Corona-Pandemie wird die Bekleidungsindustrie verändern

Nicht nur hierzulande fürchten Wirtschaft und Gesellschaft die Folgen des Teil-Lockdowns. In Bangladesch wächst die Sorge bei textilen Zulieferbetrieben.

Fabrikbesitzer des Landes, das weltweit als zweitgrößter Hersteller von Bekleidung gilt, wählen starke Worte, um ihrer Verzweiflung Ausdruck zu verleihen. Es sei eine Katastrophe, so zitiert das Fashion Network den Zulieferer Siddiqur Rahman, der u.a. für die Moderiesen H&M und GAP produziert. Die europäischen Kunden, seit dem Frühjahr selbst unter Druck, verlangten Preisreduzierungen um bis zu 15%. Die Hoffnung, in der zweiten Jahreshälfte und mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft mit wieder steigenden Aufträgen rechnen zu können, hat sich zerschlagen.

Die wirtschaftliche Erholung in Bangladeschs Textilsektor werde sich noch länger verzögern, wenn nicht ausbleiben, resümieren viele Produzenten. Und sehen sich erneut gezwungen, ihre Produktion drastisch herunterzufahren. Viele der rd. 4 Millionen Arbeiter*innen werden sich auf absehbare Zeit weiterhin mit existentieller Not konfrontiert sehen, müssen sie doch u.a. auf bezahlte Überstunden verzichten. „Ohne Überstunden kann ich meine Ausgaben nicht decken,“ erklärt Banesa Begum, eine Arbeiterin aus einem Vorort der Millionen-Metropole Dhaka. Dass auch Bangladesch mit steigenden Infektionszahlen rechnet, verschärft die prekäre Lage zahlreicher Frauen.

Hilfe von außen, wie etwa durch Spenden, wird weiterhin nötig sein. FEMNET kann damit Partner wie NGWF oder BCWS unterstützen, Maßnahmen zur Abfederung der Krise zu ergreifen.

Auf Dauer verlangt die Krise ganzheitliche Lösungsansätze Denn sie trifft alle Akteure der Bekleidungsindustrie, wenn auch nicht gleichermaßen hart. Mostafiz Uddin, Jeansproduzent aus Dhaka und Bangladeschs engagierte Stimme für eine nachhaltige Textilwirtschaft, skizziert Erkenntnisse, die aus seiner Sicht einen Richtungswechsel einleiten könnten. In einem kürzlich veröffentlichten Artikel nimmt er das Problem der Überkapazität in den Blick, die notwendigerweise zu Rationalisierungen führen werde. Angesichts einer weltweiten Rezession werde es nötig, dass Regierung und Wirtschaft gemeinsame Anstrengungen unternehmen, um den textilen Wirtschaftszweig bestmöglich und sozial verträglich zu verändern. Dabei sei es unverzichtbar, so Uddin, dass die Beziehungen zwischen Einkäufern und Zulieferern sehr viel transparenter gestaltet und z.B. das Risiko zwischen beiden besser verteilt werde. Nur so könnten echte Partnerschaften entstehen.

Weniger kompetitiv, sondern konstruktiv und kooperativ, so lässt sich sein Plädoyer beschreiben. Für viele europäische Modeunternehmen sicher eine ebenso große Herausforderung, hatten sie doch in der Vergangenheit eher niedrige Preise im Blick als für Sozialstandards bei ihren Zulieferbetrieben zu sorgen.

Nicht zuletzt können auch die Verbraucher*innen zu Veränderungen beitragen. Weniger ist mehr - für alle. Wird weniger, aber dafür etwas teurer, weil qualitativ hochwertiger gekauft, wirkt sich das auf die Löhne im globalen Süden aus. Gleichzeitig beeinflusst ein verändertes Konsumverhalten die Umwelt und damit die Lebensqualität in einem positiven Sinne.

Die wichtige Bildungsarbeit von FEMNET zeigt an dieser Stelle Handlungsmöglichkeiten auf. Und schlägt so eine Brücke zu den Frauen in Bangladesch.

 

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