Nachrichten - Corona-Nothilfefonds

Protest von Wanderarbeiter*innen aus dem Nethaji-Bekleidungspark in Perumanallur am Stadtrand von Tiruppur. © HANDOUT E-MAIL

Wanderarbeiter*innen sitzen fest– keine Arbeit in der Stadt, keine Möglichkeit nach Hause zu reisen

„Wir sind müde und emotional ausgelaugt. Wenn wir schon hungrig bleiben müssen, sind wir das am liebsten zu Hause – bei unserer Familie und unseren Kindern.“ sagt Vijendra Mandal aus Jharkhand, der in Tamil Nadu in der Textilindustrie arbeitet.

Der Lockdown wurde ein zweites Mal verlängert und die Wiederaufnahme der Arbeit in den Fabriken bleibt noch unklar. Derweil kommt es zu Protesten von Wanderarbeiter*innen, die verlangen endlich nach Hause reisen zu dürfen.

Verzweifelte Heimreise-Bemühungen

Wanderarbeiter*innen überstehen den COVID-19 bedingten Lockdown so gut sie können – meist hungrig und sorgenvoll, denn die Zukunft ist unklar. Nun verlangen sie endlich nach Hause in ihre Heimatorte reisen zu können.

Letzte Woche demonstrierten Wanderarbeiter*innen des Nethaji-Bekleidungspark für diese Forderung. Seit dem Lockdown sind sie ohne Arbeit, denn die 54 Textilproduktionsstätten waren hauptsächlich Export-orientiert. Von den 15.000 Arbeiter*innen sind ein Drittel Wanderarbeiter*innen aus Odisha, Bihar und Uttar Pradesh, die seit Wochen des Lockdowns in ihren Dienstunterkünften festsitzen.

Die derzeitige Situation belastet sie sehr. Eine Umfrage des Chennai Citizens Covid Fund for Migrant Labour stellt fest, dass 95 % der Befragten nach Hause zurück kehren wollen. 75% wollten sogar nach Hause gehen, auch wenn ihnen Arbeit angeboten würde. 63% der Befragten hatten Lohnschulden aus der Zeit vor dem Lockdown.

Deepali erzählt:

„Ich komme aus Cuttack, Odisha. Ich arbeite in einer Textilfabrik, um meine Familie zu ernähren. Ich arbeite in Erode in einem Werk, aber seit dem Lockdown hat die Fabrik geschlossen und es gibt dort keine Arbeit mehr. Wir haben kein Geld und können keine Lebensmittel kaufen. Wir alle stehen vor dem gleichen Problem. Selbst zu Hause können unsere Familien nur essen, wenn wir arbeiten. Wenn wir nicht arbeiten, gibt es kein Essen. Aber jetzt verdiene ich nichts mehr. Was werde ich schicken? Seit dem Lockdown haben wir keine Unterstützung mehr von der Firma erhalten. Wir überleben von Spenden.“ (Quelle Online-Veranstaltung von Praxis und PIC-READ, 15. April 2020).“

Sayeb Ali, Bezirk Murshidabad aus Westbengalen ergänzt: "Sind wir keine Menschen? Haben wir nicht Familien, die auf uns warten und sich Sorgen um uns machen?

So versuchen einige Wanderarbeiter*innen auf eigene Faust verzweifelt in ihre Heimat zurück zu kehren. Sie laufen, planen mit dem Fahrrad zu fahren oder Fahrzeuge zu mieten. Eine Gruppe aus Jharkhand zahlte Tausende von Rupien an einen Hochstapler, der versprach, sie in privaten Bussen zurückzubringen: er verschwand einfach mit dem Geld.

Reaktion der Regierung in Tamil Nadu

Unter den Wanderarbeiter*innen herrscht Ärger. Proteste fanden statt, weil die Regierung von Tamil Nadu keine Reisegenehmigungen erteilt oder Züge bereitstellt.

Seit dem 9. Mai 2020 gibt es erste Berichte, dass die Regierung nun einige wenige Züge bereitstellt, um die Arbeiter*innen in ihre Heimat zu bringen. Allerdings sind es viel zu wenig Züge für die große Anzahl an Wanderarbeiter*innen. Es kommen daher Vermutungen auf, dass die Regierung bewusst wenige Züge bereitstellt, um für das Wiederanfahren der Wirtschaft genügend Arbeitskräfte zur Verfügung zu haben. Die billigen Arbeitskräfte werden faktisch wie Geiseln gehalten.

Fortlaufende Unterstützung durch SAVE

Lebensmittelübergabe an Textilarbeiterin. © SAVE© SAVE

Diese Unklarheiten werden auf dem Rücken der Wanderarbeiter*innen ausgetragen. Die zweite Verlängerung des Lockdowns sorgt für erhöhte Nachfrage und Bedarf an Lebensmitteln unter Wanderarbeiter*innen und Arbeiter*innen.

Die FEMNET-Partnerorganisation SAVE erhält viele Anrufe, und auch die Distriktverwaltung und Polizei informieren über Migrant*innen in Notsituationen und mit Bedarf nach Unterstützung.

In der ersten Mai-Woche 2020 hat SAVE 2000 Essenspakete verteilt.

Zudem unterstützt SAVE Textilarbeiter*innen bei der Online-Buchung von Zugtickets. Die Bereitstellung von Zügen seitens der Regierung bleibt allerdings noch fragwürdig.

 

Neugierig? Unser Newsletter

Jetzt spenden

Verwendung von Cookies

Wir benutzen lediglich technisch notwenige Sessioncookies, ohne diese könnten wir unsere Homepage sonst nur mit unsicheren Einstellungen betreiben.