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NGWF gedenkt der Rana Plaza Katastrophe vor sieben Jahren mit sieben Kerzen. © NGWF

NGWFs Forderungen für Bangladeschs Textilarbeiter*innen – auf Rana Plaza folgt COVID-19

Prekäre Arbeitsbedingungen und Löhne, die knapp zur Existenzsicherung dienen. Textilarbeiter*innen spüren die COVID-19 Krise deutlich. Der Einbruch des Exportgeschäfts Bangladesch wirkt sich auf ihren Schultern aus. Forderungen nach Löhnen und fairem Umgang in der Krise werden laut.

Die Rana Plaza Katastrophe vor sieben Jahren legt die prekären Arbeitsbedingungen der Bekleidungsindustrie in Bangladesch offen. Bijoy (im Bild vorne links) und Pervey (im Bild vorne rechts) haben damals durch den Einsturz des Fabrikgebäudes ihre Eltern verloren.

Forderungen nach Strafen für die Rana Plaza Besitzer und Textilfabrikanten sind auch heute noch aktuell. NGWF verlangt zudem ärztliche Nachsorge und Rehabilitation für Verletzte und Familien der Verstorben – auch für Bijoy und Pervey.

Die Bekleidungsindustrie ist nun in eine erneute Krise geraten: COVID-19 lässt Bangladeschs Exporte im April um 85% zum Vorjahr einbrechen.

Frauen in der Bekleidungsindustrie sind unverhältnismäßig stark von diesen Ereignissen betroffen. Aus Bangladesch hören wir unter anderem von Hajera. Hajera arbeitet als Näherin in einer Bekleidungsfabrik. Ihr Ehemann arbeitet in der gleichen Fabrik in der Verpackungsabteilung. Die Fabrik ist geschlossen, sodass die beiden zu Hause bleiben müssen. Sie leben in einem Slum von Dhaka, der kaum als komfortables Zuhause zu bezeichnen ist. Sie hoffen, dass die Fabrik jederzeit wieder öffnet, die Arbeit fortgesetzt werden kann und sie ihren Arbeitsplatz nicht verlieren. Hajera erhielt von der Fabrik 10.000 Taka (108 Euro) als Lohn für März und Überstundenzahlung für Februar. Doch das Gehalt reicht nicht aus für die anstehenden Kosten, die sie nun im April begleichen müssen. Ihr einziger Sohn ist sieben Jahre alt und lebt mit Hajeras Mutter in Chuadanga. Jedem Monat senden sie Geld, um ihn sicher versorgt zu wissen. Nun fordert der Landbesitzer des Slums die laufende Miete für das Haus. Außerdem muss Hajera die auf Kredit gekauften Lebensmittel zurückzahlen. Sie konnte dem Lebensmittelgeschäft schon 50,- EUR und dem Landbesitzer 38,- EUR zahlen. Der Rest reicht nicht aus, um zu überleben und den Sohn zu versorgen. Ihr Mann hat sein Gehalt noch nicht bekommen.

Wie Hajera geht es vielen in Bangladesch. Unsere Partnerorganisation NGWF berichtet, dass sich Proteste gegen unvollständige oder ausbleibende Lohnzahlungen fortsetzen.

Der Staat hat reagiert und einen 50 Millionen Taka umfassenden Hilfsfonds für Lohnfortzahlungen an Beschäftigte in Export-orientierten Betrieben auf den Weg gebracht.  Den Arbeiter*innen soll für den Monat April 60% der Löhne ausgezahlt werden, andere sprechen nur von 49%. Diese „Ersatzlöhne“ sind zu niedrig, zudem fällt das Überstundengeld weg – so können die Arbeiter*innen nicht überleben.

Schnelle Hilfe ist gefragt – Textilarbeiter*innen erhalten Lebensmittel und Informationen zu COVID-19. © NGWFSchnelle Hilfe ist gefragt – Textilarbeiter*innen erhalten Lebensmittel und Informationen zu COVID-19. © NGWFDie Aussicht auf die nächsten Wochen bleibt daher extrem kritisch.

Die Sorge um die zukünftige Auftragslage und Arbeitsmöglichkeiten bleibt bestehen und die Wiedereröffnung von Fabriken verursacht Kontroversen.

Berichten zufolge sollen fast 1.000 Bekleidungsfabriken bis 2.000 Fabriken in und um Dhaka seit dem 26. April 2020 die Produktion "planlos wieder aufgenommen" haben. Dies habe zu einem enormen Zustrom von Arbeiter*innen nach Dhaka und in andere Regionen geführt und das Infektionsrisiko entsprechend erhöht.

"Die Fabrikbesitzer haben gegen ihre eigene Entscheidung verstoßen, indem sie die Fabriken willkürlich wiedereröffneten", sagte Amirul Haque Amin, Präsident der National Garment Workers Federation (NGWF) und Partner von FEMNET.

NGWF fordert:

  • Kündigung von Lizenzen der Bekleidungsindustrien, die Löhne für den Monat März nicht bezahlt haben
  • Keine Gehaltskürzungen ab dem Monat März
  • Keine Verzögerung für die Zahlung der April-Löhne
  • Keine Entlassung von Beschäftigten, sondern bezahlter Urlaub wie staatlich festgelegt
  • Öffnung von Bekleidungsindustrien erst nachdem sich die Situation verbessert hat und Transportmittel wieder zur Verfügung stehen
  • Stopp der Verschiebung und Stornierung von Aufträgen
  • Stopp den Rabatten/ der Preisdrückerei
  • Solidarität von allen – Fabrikeigentümern, Regierung und Konsument*innen
  • Schaffung eines Rationierungssystems für Lebensmittel für Textilarbeiter*innen durch die Regierung

Die Arbeit von NGWF als größte Gewerkschaft in Bangladesch ist ein stetiger Kampf für höhere Löhne und mehr Gerechtigkeit. NGWF betreibt aber auch akute Krisennothilfe und plant 5000 Arbeiter*innen mit Grundnahrungsmitteln bestmöglich zu unterstützen.

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