Nachrichten - Corona-Nothilfefonds

© Taslima Akter

Textilfabriken stehen still – wie reagieren die Unternehmen?

Die Corona-Pandemie hat die gesamte Textilwirtschaft stark getroffen – hier wie in den Produktionsländern. Zahlreiche Unternehmen stornieren Aufträge, nehmen bestellte Waren nicht mehr ab oder handeln Preisnachlässe aus. Andere versuchen sich mit ihren Produzenten auf eine Lastenteilung zu einigen.

Hierzulande sind derzeit alle Bekleidungsläden geschlossen, den Herstellern und Händlern ohne Online-Verkauf geht es besonders schlecht. Stark betroffen von den Schließungen sind insbesondere die Fast Fashion Ketten, die ihr Sortiment alle 4-6 Wochen verändern und riesige Mengen einkaufen. Nun bleiben sie auf der Frühjahrskollektion sitzen, die sich bei Wiedereröffnung der Geschäfte vermutlich nicht mehr voll verkaufen lässt. Rabattschlachten sind zu vermuten.

Profiteure von Corona sind zum einen der Lebensmittelhandel, insbesondere die Discounter, zum anderen die Online-Händler Amazon und Zalando – das obwohl ihr Handel mit Lebensmitteln minimal ist. Ihr Absatz boomt, so dass sie neue Beschäftigte einstellen. In den USA will Amazon 100.000 Zeitarbeiter*innen einstellen, zusammen mit den Festangestellten beschäftigt Amazon dann weltweit 1 Million Menschen. Wenn Corona-Fälle festgestellt werden, wird die Arbeit in der Abteilung nicht etwa gestoppt, sondern es werden einfach neue Zeitarbeiter*innen eingestellt, wie ein Artikel in „Le Monde Diplomatique“ von April 2020 aufzeigt.

Auswirkungen von Corona auf Beschäftigte in Indien & Bangladesch

Am meisten aber trifft das Corona-Virus die Beschäftigten in der Lieferkette. Sie werden nicht durch Maßnahmen der Regierung oder der Unternehmen aufgefangen, Kurzarbeitergeld kennt man dort nicht. Durch die Auswirkungen von Covid-19 brechen die Märkte ein und die Textilproduktion erliegt. Fabriken stehen still, Modemarken stornieren laufende Aufträge und erteilen keine neuen mehr. Denn: Die Einkäufer haben keine eigenen Lagerkapazitäten mehr, besonders Fast Fashion dient dem sofortigen Verkauf der Waren. Die Last wird auf die Produzenten abgeschoben. Die Beschäftigten, mehrheitlich Frauen, trifft es am schlimmsten. Sie verlieren nicht nur den Lebensunterhalt für ihre Familien. Die Ausgangssperren pferchen die Familien auf engem Raum zusammen, was vermehrt zu häuslicher Gewalt führt.

So reagiert das Bündnis für nachhaltige Textilien

Ende März hat der Steuerungskreis des Textilbündnisses eine weitgehende Aussetzung der derzeitigen Aktivitäten auch mit Zustimmung der zivilgesellschaftlichen Vertreter*innen beschlossen. Der sog. Review-Prozess, der gerade neu überarbeitet worden war, wurde auf April 2021 verschoben. Projektpläne und Bündnisinitiativen sollen auf freiwilliger Basis weiterverfolgt werden.

In Diskussion sind Maßnahmen zum Umgang mit der Corona-Krise in Produktionsländern, z.B. durch Handlungsempfehlungen zu verantwortlichen Einkaufspraktiken. Auf der Webseite des Textilbündnisses wird regelmäßig öffentlich über die Lage in den Produktionsländern informiert. Es wird klar angemahnt, dass verantwortungsvolle Einkaufspraktiken u.a. darin bestehen, dass bestellte und in Produktion sich befindende Ware bezahlt werden muss.

Die Vertreter*innen der Zivilgesellschaft im Textilbündnis haben die Unternehmen in einer öffentlichen Mitteilung aufgefordert, sich jetzt solidarisch zu zeigen und Aufträge nicht zu stornieren.

Weiterführende Links und Handlungsempfehlungen:

femnet.de/solidarisch-wirken

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