Nachrichten - Corona-Nothilfefonds

Lebensmittelverteilung an Wanderarbeiter*innen am 31. März 2020. © SAVE

Die Lage der Textilindustrie und Wanderarbeiter*innen in Tamil Nadu während der Corona-Pandemie

Mit dem Ausbruch der Corona-Krise verhängte die Regierung von Tamil Nadu eine Ausgangssperre vom 23. März bis ca. 14. April 2020. Plötzlich fuhren keine Züge und Überlandbusse mehr. Tausende von Wanderarbeiter*innen sitzen fest. Einige Wanderarbeiter*innen machten sich teilweise zu Fuß - in der Hoffnung unterwegs einen Bus zu finden - auf den Weg in die Heimat, denn wenn alle Fabriken geschlossen sind, erhalten sie keinen Lohn mehr und müssen hungern.

Sehr viele Wanderarbeiter*innen blieben aber im Süden, sie leben jetzt unter unwürdigen Bedingungen: Ihr Zuhause sind oft Zelte, es fehlt sauberes Wasser, sie haben kein Einkommen mehr. Diejenigen, die zur Miete wohnen, fürchten jetzt, geräumt und vertrieben zu werden. Im Gegensatz zu den Bürger*innen von Tamil Nadu erhalten Migrant_innen keine Essensrationen von der Regierung zugeteilt. Diese erhalten nur die Mitbürger des jeweiligen Bundesstaats, hier Tamil Nadu. Die Wanderarbeiter*innen müssen faktisch jetzt hungern, da sie keine Unterstützung erhalten.

Prekäre Arbeitsverhältnisse der Wanderarbeiter_innen

In Indien leben 1,3 Milliarden Menschen in 37 Bundesstaaten. Im südlichen Bundesstaat Tamil Nadu allein leben 72 Mio Menschen, fast so viele wie in Deutschland. Es befinden sich hier viele Textilfabriken, vor allem auch rund 2200 Spinnereien. In Tirupur, der sog. T-Shirt Stadt, sind rund 800.000 Menschen in der Textilindustrie beschäftigt, rund 250.000 sind Wanderarbeiter*innen, die aus dem Norden in den Süden nach Tamil Nadu auf der Suche nach Arbeit gereist sind. Sie kommen aus den nördlichen Bundesstaaten Bihar, West Bengal, Jharkhand, Odisha, u.a. Die Reise ist lang und dauert meistens Tage.

Die meisten 250.000 Wanderarbeiter*innen sind über Agenten angeworben worden, die sie auch an die Fabriken vermittelten. Sie wandern von Fabrik zu Fabrik, haben oft nur tageweise Arbeit und werden in der Regel pro Stück nach Akkord bezahlt. Die Agenten erhalten den Lohn von der Fabrik für sie; seit dem 23. März 2020 bezahlen sie aber keinen Lohn mehr, weil sie in der Regel auch keine Löhne von den Fabriken erhalten haben.

Arbeiter*innen aus Tamil Nadu haben einen Arbeitsvertrag mit der Fabrik, der entweder einen Monatslohn beinhaltet oder auch sie werden nach Stück bezahlt. Sie erhalten seit 23. März 2020 auch keine Löhne mehr. Kurzarbeitergeld wie in Deutschland, wo der Staat einspringt, gibt es nicht. Wohl aber können bedürftige Bürger*innen von Tamil Nadu Nahrungsmittel mit Hilfe einer „ration card“ erhalten.

 

 

 

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