#GoTransparent! Lieferketten offenlegen - Hintergrund & Materialien

© Vitor-Dutra Kaosnoff - Pixabay

Arbeitsbedingungen verbessern durch effektive Kontrollen und transparente Berichte

Modeunternehmen müssen nicht offenlegen, wo und unter welchen Bedingungen sie produzieren lassen. Wirtschaft und Politik setzen darauf, dass Unternehmen sich freiwillig an Kriterien halten, die sich selbst auferlegen und von anderen Firmen überprüfen lassen. Ein nachweislich erfolgloses Modell - mit zum Teil tödlichen Folgen.  

Viele Hersteller setzen eigene Verhaltenskodizes auf. Trotz solcher sogenannter Codes of Conduct haben sich die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern nicht entscheidend verbessert. Ein Grund dafür ist, dass diese freiwilligen Maßnahmen einerseits mangels Transparenz kaum überprüfbar und andererseits nicht einklagbar sind. Deshalb sind gesetzliche Regelungen nötig. Zusätzlich brauchen wir ein wirksameres Kontrollsystem für Fabriken. Als positives Beispiel ist das Accord-Abkommen in Bangladesch zu sehen: Die Sicherheitslage in Fabriken hat sich durch mehr Transparenz verbessert.

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Aktion für ein Lieferkettengesetz vor dem Deutschen Bundestag. © Initiative LieferkettengesetzAktion für ein Lieferkettengesetz vor dem Deutschen Bundestag. © Initiative Lieferkettengesetz

Gesetzliche Rahmenbedingungen zu Transparenz in der Bekleidungsindustrie

Derzeit gibt es noch keine gesetzliche Verpflichtung für global agierende Unternehmen, ihre Lieferketten offenzulegen. Wirtschaft und Politik setzen bislang auf „freiwillige Selbstverpflichtung“ - also darauf, dass Unternehmen sich freiwillig an bestimmte Kriterien halten, die sich selbst auferlegen.

Ohne gesetzliche Regelung kann bei Verstößen gegen die unternehmerische Sorgfaltspflicht – etwa bei Menschenrechtsverletzungen oder Unglücken in Zuliefererfabriken im globalen Süden – nicht gegen die meist europäischen oder amerikanischen Herstellerfirmen geklagt werden. Betroffene und ihre Angehörigen bleiben mit den Schäden und Folgekosten allein.

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Wirksame Kontrollen und Sanktionen - Transparenz allein genügt nicht!

Doch selbst gesetzliche Transparenzverpflichtungen sind nur eine Grundlage. Sie müssen mit wirksamen Maßnahmen zur Überprüfung und zur Sanktionierung von Verstößen kombiniert werden. Das bisher übliche Kontrollsystem für Fabriken, die sog. Sozialaudits, sind dafür nicht ausreichend: Studien von FEMNET und ihren Partnerorganisationen zeigen, dass Unternehmen geltende Gesetze trotz der Audits oftmals nicht richtig umsetzen.

Cover Factsheet 2019 Feigenblatt der Modeindustrie: Wie Sozialaudits Unternehmen schützen und Arbeiter_innen im Stich lassen (2019)

Der englischsprachige Bericht „Fig Leaf for Fashion“ der CCC legte 2019 offen, dass die Audit-Industrie nicht nur unzureichend zur Aufdeckung und Behebung von Problemen ist, sondern sogar dazu beiträgt, dass Arbeitsrechtsverletzungen weltweit fortgesetzt werden. Die Methoden und Ergebnisse von Fabrikkontrollen werden nicht veröffentlicht und die Auditor_innen werden oft von den Unternehmen selbst beauftragt, was ihre Unabhängigkeit infrage stellt. Beispiele für das Versagen des Sozialaudit-Systems sind zahlreiche tödliche Katastrophen sowie die Fortsetzung systematischer Belästigung und illegaler Ausbeutung von Arbeiter_innen in Fabriken, die unter der angeblichen Kontrolle dieser Überwachungssysteme stehen.

„Feigenblatt der Modeindustrie: Wie Sozialaudits Unternehmen schützen und Arbeiter_innen im Stich lassen“  (2019, Deutsch, Zusammenfassung, PDF)

„Fig Leaf for Fashion“  (2019, Englisch, vollständiger Bericht, PDF)

„Fig Leaf for Fashion“  (2019, Englisch, Zusammenfassung, PDF)

Cover der Broschüre 'Follow the Thread' (2017)

Follow the Thread - Demand transparency now! (2017)

2017 erschien der Bericht „Follow the Thread“, das heißt so viel wie „Folge der Fährte“ oder: Wir bleiben den Unternehmen und ihren Zulieferern auf der Spur. Der Bericht legte offen, wie intransparent die Audit-Industrie ist und dass viele Unternehmen zuvor keine oder unzureichende Informationen verfügbar machten.


Positives Beispiel für mehr Transparenz: Der Accord in Bangladesch

Accord LogoDas Ziel transparenter Lieferketten muss sein, die Situation vor Ort zu verbessern. Dass dies möglich ist, zeigt das Accord-Abkommen für Gebäudesicherheit und Brandschutz in Bangladesch. Dabei werden Fabriken im Hinblick auf Statik, Elektrik und Feuerschutz kontrolliert und die Ergebnisse im Internet veröffentlicht. Aber auch bei der Umsetzung der Korrekturmaßnahmen wird Transparenz hergestellt. So können auch Arbeiter_innen, Gewerkschaften und lokale NGOs nachhalten, ob Verstöße bereinigt werden.


Weiterführende Informationen

Cover des FEMNET-Fact-SheetsFEMNET-Factsheet: Transparenz und Audits (2017)
„Wer passt auf?“ – Unternehmen auffordern, soziale Verantwortung für ihre Arbeiterinnen zu übernehmen

Wer passt auf die Kinder von Arbeiterinnen auf, während sie unsere Kleidung nähen? Und wer passt eigentlich darauf auf, dass Unternehmen ihre Sorgfaltspflicht wahrnehmen und Gesetze einhalten? FEMNET setzt sich mit der Kampagne #WerPasstAuf? dafür ein, dass Unternehmen ihre soziale Verantwortung wahrnehmen. Zusammen mit unseren Partnern in Indien und Bangladesch kämpfen wir u.a. dafür, dass Modeunternehmen gemeinsam mit ihren Zulieferern gute Kinderbetreuung für die Arbeiterinnen vor Ort einrichten und dass die Rechte schwangerer Arbeiterinnen beachtet werden, sodass die Gesundheit von Müttern und Kindern nicht gefährdet wird.


Screenshot Blogbeitrag Sozialaudits © BHRRCSozialaudits in der Textilbranche: Wie kann man Kontrolleure kontrollieren?

26/02/19, Carolijn Terwindt, European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) & Gisela Burckhardt, FEMNET e.V.

 

 

Blogbeitrag lesen


Titel des Gutachtens Dr. G. Burckhardt 2015

Die Wirksamkeit von Audits in der Textilbranche

Gutachten von Dr. Gisela Burckhardt als Antwort auf die Argumente der KiK Textilien und Non-Food GmbH
vorgebracht im zivilrechtlichen Verfahren des Muhammad Jabiretal gegen KiK Textilien und Non-FoodGmbH
am Landgericht Dortmund. Stand Dezember 2015

 

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