Nachrichten - Faire öffentliche Beschaffung

© Entsorgungsbetriebe Stadt Konstanz

Innovation hoch zwei

Zwei Städte, zwei ganz unterschiedliche Ausschreibungen, doch eines haben sie gemeinsam: Über innovative Verfahren wird deutlich mehr Nachhaltigkeit gefordert als zuvor. Die Stadt Trier geht strategisch mehrere Produktgruppen gleichzeitig an, Kommunalunternehmen in Konstanz kombinieren Kriterien auf mehreren Ebenen der Textilherstellung und -pflege.

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Wir begleiten Sie als Kommune oder kommunales Unternehmen bei einer nachhaltigen Textilausschreibung im Jahr 2023.

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Auch für FEMNET beinhalten die Beratungen neue Erfahrungen: Der Verein begleitet in diesem Jahr erstmals zwei Ausschreibungen gleichzeitig. Hier lohnt sich ein Blick auf die Inhalte, denn beide Beschaffungsstellen wollen mit unserer Unterstützung ganz neue Wege beschreiten. Alle Ausschreibungsunterlagen werden im Nachgang über den Kompass Nachhaltigkeit abrufbar sein. Nachahmen erwünscht!

 

Trier: Beschaffung strategisch neu aufstellen

In diesem Jahr widmet sich die Stadt Trier gleich zwei Produktgruppen – Arbeits- und Schutzkleidung sowie IT-Hardware – und will dabei umfangreiche Nachhaltigkeitskriterien umsetzen. Unterstützt wird sie dabei durch eine Beratung durch die Vereine ELAN (IT-Hardware) und FEMNET (Textilien).

Die Stadt will sich strategisch sinnvoll für die Zukunft aufstellen und hat das Thema entsprechend hoch aufgehängt: Im Jahr 2021 erließ der Stadtrat einen Beschluss zu nachhaltiger Beschaffung; nun wird daran gearbeitet, die Textilbedarfe verschiedener Fachämter zum ersten Mal in einem Rahmenvertrag zu bündeln. Durch die zentrale Beschaffung können Nachhaltigkeitsaspekte viel effektiver eingefordert werden. Hiermit hat sich die Kommune viel vorgenommen, doch flankiert durch kompetente Beratung befindet sie sich nun mitten in der Umsetzung. Die Ausschreibungen werden in diesem Jahr vorbereitet, ihre Veröffentlichung ist für 2023 geplant.

Konstanz: Nachhaltige Mietkleidung für kommunale Unternehmen

Um die Beschaffung von Arbeitsmietkleidung für rund 180 Mitarbeitende geht es bei einer laufenden Ausschreibung durch die Technischen Betriebe (TBK) und Entsorgungsbetriebe (EBK) der Stadt Konstanz. Das Besondere: Es werden Nachhaltigkeitskriterien auf verschiedenen Ebenen der Herstellung (Fasern und Konfektion) sowie für Wäschereien kombiniert. Wäschereien können als Miettextildienstleister durch einen geringen Schadstoffausstoß beim Transport der Wäsche, sowie durch den Bezug von Strom aus erneuerbaren Energien punkten. Im Juli beginnt die Auswertung der Angebote.

Für FEMNET ist dies die erste Beratung zum Thema Miettextilien mit industrieller Waschung, sodass zahlreiche Vorgespräche und Recherchen Teil der Vorbereitungen waren. Hier hat der Verein neue Expertise aufgebaut, welche in die künftige Beratungsarbeit einfließen kann.

Nachweisführung orientiert am Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz

Um die Nachweisführung für Bieterfirmen und die Auswertung für die beschaffenden Stellen zu vereinfachen, wurden zwei Fragebögen ausgearbeitet, welche nach Abschluss der Ausschreibung zusammen mit allen Ausschreibungsunterlagen über den Kompass Nachhaltigkeit abgerufen werden können. Neu ist hierbei, dass sich die Inhalte der Fragebögen an den Vorgaben des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz orientieren. Im Rahmen der Ausschreibung werden diese jedoch nicht auf große Unternehmen beschränkt: Um im Verfahren berücksichtigt zu werden bzw. Extrapunkte in der Wertung zu erhalten, müssen alle Bieterfirmen die Einhaltung bestimmter Sorgfaltspflichten nachweisen.

Erfolgreicher Bieterdialog in Konstanz

Im Rahmen eines Bieterdialogs kamen Herstellerunternehmen, Wäschereien, Beschaffer*innen der EBK und TBK sowie Vertreter*innen der Stadt Konstanz am 18. Mai 2022 zusammen, um die Inhalte der geplanten Ausschreibung zu erläutern und Fragen zu klären. FEMNET leitete durch den Tag. Spannend war, dass gerade vonseiten der Wäschereien weitergehende Ansätze für mehr ökologische Nachhaltigkeit vorgebracht wurden. Im Rahmen der laufenden Ausschreibung lag der Fokus jedoch auf sozialer Nachhaltigkeit. So werden bei den meisten Textilien neben den optionalen Anforderungen (wie oben beschrieben) die grundlegenden Arbeitsrechte in der Konfektion verpflichtend eingefordert. Doch diese Impulse nehmen wir für die Zukunft mit, denn hier zeigt sich, dass auch der Markt bereits innovative Ideen zu bieten hat und seine Bemühungen für mehr Nachhaltigkeit in öffentlichen Ausschreibungen berücksichtigt sehen will.

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