Berufsbekleidung: Studien

Berufsbekleidung: Arbeitsbedingungen bei Zulieferern europäischer Hersteller

Extrem niedrige Löhne, erzwungene Überstunden, hohe Jobunsicherheit und unterdrückte Gewerkschaften: Berufsbekleidung soll Beschäftigte hierzulande schützen, doch in der Herstellung sind die Arbeitsverhältnisse ähnlich prekär wie in der Modeindustrie.

Inzwischen gibt es zahlreiche Studien über die Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzungen in der Bekleidungsindustrie. Dennoch mangelt es an Informationen speziell über Berufsbekleidung. Die von FEMNET in Auftrag gegebene Recherchen in indischen und tunesischen Fabriken zeigen: Europäische Marken nehmen in Kauf, dass in ihren Zulieferbetrieben nationale Arbeitsgesetze und internationale Kernarbeitsnormen mit Füßen getreten werden. 

Zu den englischsprachigen Länderstudien gibt es zusammenfassende Factsheets auf Deutsch. Statements tunesischer Expertinnen finden Sie im Bericht zur Speakers Tour 2019 sowie im zugehörigen Video.

So kann Berufsbekleidung fairer werden!

Cover Factsheet Berufsbekleidung EinkaufDamit sich die Arbeitsbedingungen verbessern, müssen die Herstellerfirmen ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nachkommen. Dazu braucht es neben wirksamen gesetzlichen Regelungen wie einem Lieferkettengesetz auch einen bewussteren Umgang mit der Beschaffung von Berufsbekleidung: Öffentliche wie auch private Einkäufer_innen sollten ihre Marktmacht nutzen und die Einhaltung sozialer Kriterien bei der Produktion aktiv einfordern. Ausführliche Empfehlungskataloge finden sich in den Länderstudien.

Factsheet „Berufsbekleidung: Die Rolle europäischer Unternehmen und der öffentlichen Beschaffung“ (2019, Deutsch, 4 Seiten, PDF)

 

Arbeitsbedingungen in Indien

Cover der Studie Workwear made in IndiaDie Herstellung von Berufsbekleidung ist ein aufstrebender Sektor in der indischen Textilindustrie. Ein Großteil der in Indien produzierten Berufsbekleidung wird in europäische Länder exportiert. Die Nichtregierungsorganisation Cividep untersuchte für FEMNET Textilfabriken, die für die europäischen Firmen BartelsRieger, Olymp und Cerva Group produzieren. Diese Untersuchung zeigt, dass die Arbeitsbedingungen in diesem Sektor als Zwangsarbeit eingeordnet werden können. Die Löhne sind niedrig, gesetzliche Mindestlöhne werden nicht eingehalten und Arbeiter_innen werden nicht entsprechend ihrer Fähigkeiten oder ihres Anstellungsgrades bezahlt. Massive Verstöße gibt es in Bezug auf Arbeitszeiten, Überstunden, Mutterschutz, Urlaub, Arbeitsverträge. Die Jobsicherheit ist gering, Gewerkschaftsarbeit wird unterdrückt.

 

 

Arbeitsbedingungen in Tunesien

Cover Studie Workwear made in TunisiaDie Textilindustrie ist ein zentraler Wirtschaftssektor Tunesiens. Charakteristisch ist die starke Abhängigkeit vom europäischen Markt. Die Arbeitsrechtsorganisation FTDES recherchierte für FEMNET in Zulieferbetrieben der europäischen Berufsbekleidungsfirmen S-Gard, Havep und Alsico. Beschäftigte berichten von Löhnen weit unterhalb der Existenzsicherung. Viele Arbeiter_innen werden in befristeten, unsicheren Arbeitsverhältnissen gehalten, obwohl ein unbefristeter Vertrag langjährigen Mitarbeitenden gesetzlich zusteht. Die Arbeiter_innen haben wenig kollektive Verhandlungsmacht. Diese Studie untersucht zudem die Beziehung zwischen verschiedenen Akteuren des Sektors (Marken, Plattformen und Fabriken).

 

 

Unsere Kooperationspartner vor Ort

 

Aktuelles aus unserer Arbeit


„Gute Arbeit fairbindet!“ Tunesische Aktivistinnen bei der Speakers Tour 2019 zu Berufsbekleidung und fairer Beschaffung

© Hunderteins

Vom 12. bis 19. September 2019 organisierte FEMNET erneut eine bundesweite Vortragsreise, dieses Mal zum Thema Berufsbekleidung. Unter dem Motto „Gute Arbeit fairbindet“ vermittelten die tunesischen Expertinnen ausdrucksstark und nachwirkend ihre Erfahrungen und Forderungen. Zum Abschluss der Vorträge ging es immer um Chancen und Möglichkeiten, um die Arbeitsbedingungen in der Berufskleidungsindustrie zu verbessern und die Rolle der Fairen Beschaffung in Deutschland zu stärken.

Während der Rundreise wurden auf Stationen in Bruchsal, Karlsruhe, Veitsbronn (Landkreis Fürth), Mannheim, Bonn und Köln über 250 Menschen erreicht.

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Reisebericht aus Tunesien: Arbeitsbedingungen in der Produktion von Berufsbekleidung

Auch in Tunesien wird viel Kleidung produziert, Mode wie auch Berufsbekleidung. Ein großer Teil der Exporte geht nach Europa. © FEMNET© FEMNET

Im Rahmen von Studienreisen besuchten FEMNET-Mitarbeiterinnen beide Projektpartner_innen vor Ort, um gemeinsam die Umsetzung unserer länderübergreifenden Studien sicherzustellen. 

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