05.02.2021: News der KW 5

Studien

Synthetik-Fasern: "Fossil Fashion, The hidden reliance of fast fashion on fossil fuels" (PDF-Datei) von der Changing Markets Foundation: Die Studie untersucht die Abhängigkeit der Industrie von günstigen synthetischen Fasern, wie Polyester, die aus fossilen Brennstoffen gewonnen werden. Der Fokus liegt auf den durch synthetische Fasern ermöglichten Massenkonsum, der Probleme durch steigenden Textilabfall und Mikroplastik verursacht und einer Kreislaufwirtschaft im Wege steht.

COVID-19: "The Impact of COVID-19 on Suppliers" (PDF-Datei) von Sedex: Ein Jahr nach Beginn der Krise sind die Auswirkungen deutlich: Die ökonomischen Konsequenzen werden an den Anfang der Wertschöpfungsketten gedrückt mit Frauen* und Migrant*innen als Hauptleidtragende. Die Bekleidungsindustrie ist im Vergleich zu anderen Industrien die am härtesten getroffene: 86% der befragten Lieferant*innen erfuhren einen Rückgang an Aufträgen; viele Unternehmen (88%) gaben an, das Kund*innen unterstützend agierten - Bekleidungslieferant*innen hingegen gaben häufiger an, dass sie negative Erfahrungen mit Kund*innen machten

Bangladesch

Fabriken klagen gegen das US-Modeunternehmen Sears: 32 Fabriken bekommen 6,3Mio $ als Entschädigung für stornierte Aufträge im Wert von 40Mio $. Zum Zeitpunkt der Stornierungen von Sears wurden bereits Waren im Wert von 22.7Mio $ gefertigt und auf den Weg gebracht.

Drohende Insolvenzen: Die Auswirkungen der Stornierungen, Preisreduktionen und verschobenen Zahlungen im Bekleidungssektor werden nun sichtbar: Viele Fabriken kämpfen derzeit ums Überleben und eine Insolvenzwelle droht

Abhängigkeiten von wenigen Käufer*innen: RMG Bangladesh kritisiert die Abhängigkeit des Bekleidungssektors Bangladeschs auf wenige Käufer: Zara, H&M, Li & Fung und Walmart sind die Top Einkäufer - auch KiK, C&A und Lidl werden genannt. Durch Abhängigkeiten mussten Lieferant*innen unbegründete Stornierungen, Ermäßigungen und verschobene Zahlungen akzeptieren.

News Mix

UK Modeunternehmen boohoo kauft britische Kaufhauskette Debenhams für 55 Mio. £. Bohoo entscheidet sich damit bewusst für neue Geschäftsmöglichkeiten anstatt zunächst die eigene Wertschöpfungskette zu stärken und Forderungen nach Mindestlöhnen nachzukommen (Arbeiter*innen in Leicester bekamen berichten zufolge weniger als die Hälfte des Mindestlohns). Mit Debenhams hat boohoo nun ein weiteres Unternehmen im Portfolio, das Arbeiter*innen nicht ihren zustehenden Lohn zahlt (Berichte aus Bangladesch und Kambodscha).

Uiguren: Im Artikel von WWD spricht Autorin Amelia Pang über ihr Buch "Made in China", in dem sie u.A. über die Zwangsarbeit der Uiguren berichtet. Im Interview verrät sie, wie einfach es war, zu den Arbeitslagern zu gehen und mit Wachmännern zu sprechen. Sie gab sich als ausländische Unternehmerin aus und kam leicht an Informationen über die Menschen in den Lagern und die involvierten Unternehmen: "The guard would openly agree and admit that the people inside are prisoners and are not working via free will. I would follow the trucks from the camps to the official exporters. It wasn’t that hard to document. If people want to find out they can, certainly more than what I was able to as an individual."

Kreislaufwirtschaft: Artikel "Will the Circular Economy Save the Planet?" von Elizabeth L. Cline: Der Beitrag beleuchtet Chancen aber auch Schwachpunkte der bisherigen Ansätze zur Kreislaufwirtschaft in der Bekleidungsindustrie. Durchaus kritisch betrachtet die Autorin Unternehmen, die Kreislaufwirtschaft als beiläufiges Bestreben zum usual business sehen: "What's more, by emphasizing reuse and recycling—rather than reducing production—the circular economy runs the risk of becoming a red herring, enabling companies to increase their environmental impact while appearing greener to the public. The circular economy is essentially riding on decades of public conditioning that has us convinced that reuse and recycling are always good for the planet, but that's not the case."

Transparenz in der Lieferkette durch Blockchain

Ernsting's Family und Kik gründen Arbeitsgruppe "Digitales Lieferkettenmanagement" gemeinsam mit der Bremer Baumwollbörse und der ITA Academy: Ziel der Arbeitsgruppe ist es, durch Blockchain-basierte Lösungen die Transparenz der Lieferketten zu erhöhen und ein effektives Zertifizierungs-Monitoring von Sozial- und Umweltstandards zu ermöglichen. Zum ersten Meeting Anfang März sind auch weitere Mode-Unternehmen eingeladen.

Plattform Textile Trust: Der nachhaltige Textilanbieter Cotonea und der Anbieter für nachhaltige Arbeitskleidung Kaya&Kato haben sich mit IBM (derzeitiger Marktführer für Open-Source- und Cloud-basierte Blockchain-Konzepte für Business-Anwendungen) zusammengeschlossen, und die Blockchain-basierte Plattform Textile Trust entwickelt, die Sicherheit und Transparenz in der textilen Lieferkette gewährleisten soll.

Unternehmen im Textilbündnis

- Otto steigert Online-Umsatz in 2020 um mehr als 20% und befindet sich damit in der gleichen Liga wie Amazon und Ebay

- H&M's Jahresumsatz sinkt um 18%, dennoch betrug der Nettoumsatz 122,7 Mio. €; CEO Helena Helmerson sagt "Dank viel beachteter Kollektionen, schnellem und profitablem Online-Wachstum und strikter Kostenkontrolle ist es dem Unternehmen gelungen, das Jahr mit Gewinn und in einer starken finanziellen Position zu beenden“.