Briefing Room der Zivilgesellschaft im Textilbündnis

Hier stellen wir Ihnen interessante Nachrichten und Meldungen aus der deutschen und internationalen Presse rund um Arbeitsgebiete der Zivilgesellschaft im Textilbündnis zusammen.

23.11.2021: News der KW 46

Studien und Co.

Einkaufspraktiken: Better Buying "Better Buying Index Report 2021" (PDF): Im diesjährigen Bewertungszyklus beteiligten sich 21 Unternehmen; insgesamt wurden 1.245 Bewertungen von Lieferant*innen abgegeben. Die Ergebnisse zeigen, dass die Teilnehmer*innen trotz der Coronakrise in mehreren Bereichen auf den Verbesserungen der Vorjahre aufbauen konnten (z.B. in den Kategorien Cost Negotitations und Planning and Forecasting). Lediglich in der Kategorie Sourcing and Order Placement ging der Score zurück (Summary) (PDF). ACT "ACT Purchasing Practices Surveys by Brands and Suppliers - General Report 2021" (PDF): In der bisher größten Umfrage zu den spezifischen Einkaufspraktiken großer internationaler Marken und Einzelhändler*innen nahmen 1.338 Lieferant*innen und 1.831 Markenmitarbeiter*innen teil. Die Umfragen wurden in allen wichtigen Bekleidungsherstellungsländern durchgeführt, darunter auch in den Ländern, in denen ACT direkt tätig ist: Bangladesch, Kambodscha, Myanmar & Türkei. Nach Angaben der Lieferant*innen sind die folgenden Bereiche der Beschaffungspraktiken für die Schaffung der Bedingungen für die Zahlung eines existenzsichernden Lohns am wichtigsten: Preisverhandlungen (57%), Auftragsvergabe (49%) und Preisvorgaben (48%).

Zwangsarbeit: Sheffield Hallam University Helena Kennedy Centre "Laundering Cotton - How Xinjiang Cotton is Obscured in International Supply Chains": Der Bericht untersucht, wie von den Uiguren in Zwangsarbeit hergestellte Baumwolle aus der Region Xinjiang ihren Weg in internationale Lieferketten findet. Dafür wurden Zolldaten fünf führender Textilunternehmen in China untersucht. Die Region Xinjiang produziert etwa 85% der gesamten chinesischen Baumwolle. 52% der chinesischen Ausfuhren von Rohbaumwolle, Garn und Stoffen gehen nach Bangladesch, Vietnam, auf die Philippinen, nach Hongkong, Indonesien und Kambodscha. Die Hersteller*innen in diesen Ländern verarbeiten die Baumwolle, wodurch die Herkunft der Baumwolle verschleiert wird. Unter den Unternehmen mit "Downstream Supply Chain Risk" sind u.a. H&M, s.Oliver, Adidas, C&A, Primark und Hugo Boss zu finden. Sedex "Recognising forced labour risks in global supply chains" (PDF): Die Zertifizierungsorganisation veröffentlicht Ergebnisse aus über 100.000 Sozialaudits die zwischen 2017 - 2021 in 158 Ländern durchgeführt wurden. Die Analyse ergab, dass bei über 38.000 Audits (36%) zwei oder mehr Indikatoren für Zwangsarbeit festgestellt wurden. Mehr Indikatoren werden im Durchschnitt bei Audits auf den unteren Ebenen der Lieferkette gefunden, wo die Sichtbarkeit und der Einfluss der einkaufenden Unternehmen geringer ist (z.B. Pflanzenanbau und Tierzucht).

Friedrich Ebert Stiftung "Transnational Legal Tactics for Labour - How to make use of Corporate Accountability Mechanisms" (PDF): In der Analyse stellen die Autor*innen Arbeits- und Menschenrechtsfragen in den Kontext der aktuellen globalen Wirtschaft und geben einen Einblick in ihren "juristischen Werkzeugkasten", durch den sie aufzeigen, welche Mittel und Werkzeuge den Gewerkschaftsbewegungen zur Verfügung stehen. Dabei werden die Instrumente globaler Rahmenvereinbarungen, durchsetzbarer Markenvereinbarungen, Multi-Stakeholder-Initiativen, Entschädigungsfonds, OECD-Leitsätze und Nationale Kontaktstellen, transnationale Rechtsstreitigkeiten und die obligatorische Sorgfaltspflicht im Bereich der Menschenrechte analysiert.

McKinsey & Company "Revamping fashion sourcing: Speed and flexibility to the fore" (PDF): Die Ergebnisse der Untersuchung bestätigen einen grundlegenden Wandel in der Bekleidungsbranche. COVID-19, Unterbrechungen im Schiffsverkehr, begrenzte Rohstoff-Angebote, die Volatilität der Nachfrage und der sprunghafte Anstieg von Online-Verkäufen sind Hindernisse, die die Bekleidungsunternehmen auf einen neuen Kurs eingeschwenkt haben, der sie u.a. dazu veranlasst, ihre Flexibilität zu erhöhen, die Durchlaufzeiten zu verkürzen und sich auf bedarfsgesteuerte Lieferketten umzustellen, u.a. durch: Vereinfachung des Sortiments, Effizienz in der Produktentwicklung, Beschaffung durch Länder-Mix (+Nearshoring) und langfristige Partnerschaften.

News

EU-Maßnahmen mit Bezug zu Textilien: Im zweiten Teil über ESG in der Mode schreibt FashionUnited über EU-Gesetzesinitiativen zu Greenwashing (Teil 1 im News Update der KW 42). Obwohl das Thema Greenwashing auf der Green Deal-Agenda der EU ganz oben steht, wurde bisher kein spezifischer rechtlicher Rahmen festgelegt. Modeunternehmen können sich daher nur auf die allgemeine Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken (2005/29/EG, „UCPD“) und Richtlinie 2006/114/EG über irreführende und vergleichende Werbung berufen, wenn sie grüne Behauptungen aufstellen. Die allgemeine Regel der UCPD-Richtlinie verbietet es Gewerbetreibenden, Verbrauchende in unfairer Weise über die Umwelt zu informieren und sie in die Irre zu führen. Die Europäische Kommission hat zudem angekündigt, dass sie gegen die Verbreitung von Logos und Labels angehen werde, die sich auf grüne Eigenschaften berufen, um damit Verbrauchende vor trügerischen und irreführenden Informationen zu schützen.

mHREDD (Mandatory Human Rights and Environmental Due Diligence): 42 Unternehmen, Wirtschaftsverbände und Investor*innen sprechen sich für eine sinnvolle und sichere Einbeziehung der Stakeholder als zentraler Aspekt des EU-Rahmens für eine verbindliche menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfaltspflicht aus (PDF). Die Meinung der Interessengruppen mit den Gemeinschaften und Einzelpersonen, die tatsächlich oder potenziell von den Geschäften der EU-Unternehmen betroffen sind, soll in den Mittelpunkt gerückt werden - einschließlich ihrer Wertschöpfungsketten. Die Unterzeichner*innen (u.a. Tchibo und Patagonia) glauben, dass eine sinnvolle, geschlechtersensible und intersektionelle Einbindung von Rechteinhaber*innen und der Zivilgesellschaft, einschließlich Menschenrechtsverteidiger*innen, entscheidend für einen Due-Diligence-Prozess ist, der die Auswirkungen auf die Menschenrechte effektiv identifiziert und auf ihre Bedenken eingeht.

Sneakerjagd: In der gemeinsamen Recherche von Flip, dem NDR und der ZEIT  wird die Reise aussortierter Turnschuhe untersucht; die ausrangierten Sneaker Prominenter wie Jan Delay, Kevin Kühnert und Carolin Kebekus wurden dafür mit GPS-Trackern ausgestattet (Sneakerjagd). Durch die Verfolgung der GPS-Signale konnte nun die systematische Vernichtung von Neuwaren bei NIKE aufgedeckt werden, wo neuwertige Schuhe für das Recycling-Programm NIKE Grind geschreddert werden (Doku von STRG_F). Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums spricht von einem möglichen "Verstoß gegen die Abfallhierarchie, wie sie im Kreislaufwirtschaftsgesetz festgestellt ist". Die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt geht dem Bericht nun nach.

Produktionsländer

Sri Lanka: Die Free Trade Zones and General Services Employees Union (FTZ & GSEU) ist die erste Gewerkschaft, die erfolgreich einen Tarifvertrag mit einer Fabrik (Next Manufacturing Limited) in Sri Lankas größter Freihandelszone in Katunayake ausgehandelt hat.

Bangladesch: Das Land steht seit Jahren wegen Nichteinhaltung von Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in der Kritik. Die Überprüfungsorgane für die Einhaltung der ILO-Übereinkommen hatten zuletzt eine Roadmap mit Zeitschritten eingefordert, bis wann Bangladesch die notwendigen Reformen abschließen will. Diese Roadmap (PDF) mit Reformschritten zu Arbeitsrechtsreformen, Verbesserung staatlicher Durchsetzungsinstrumente und besseren Instrumenten zur Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten und einem Zeitrahmen bis 2026 hat Bangladesch jetzt vorgelegt.